Ryōkan wird häufig als der stets freundliche, mit den Kindern spielende, leicht schräge Bettelmönch verstanden, der gerne kalligraphierte, in der Gegend umherwanderte und mit Vorliebe seine Umgebung durch sein unkonventionelles Verhalten vor den Kopf stieß. Ryōkan jedoch, und das hat er selbst stets betont, war in erster Linie Priester. Sein Leben als Priester war seine Berufung und seine Orientierung. Mit Stolz trug er Robe, Bettelstab und Schale. Seine Haltung mag in vielem den damaligen und heutigen Konventionen nicht entsprechen - im Kern jedoch führte er seine Schulung konsequent auch nach Verlassens des Klosters so weiter, als wenn er nach wie vor in einer spirituellen Gemeinschaft leben würde. Ryōkan war sehr traditionsbewusst, wenngleich dies nicht unbedingt so erscheinen mag. Die Texte der alten Meister waren ihm heilig, genauso wie zahlreiche der Rituale, die das Leben eines Mönches auszeichnen. Wir können davon ausgehen, dass Ryōkan täglich Zazen übte, oft über viele Stunden hinweg. Auch gibt es zahlreiche Beschreibungen, wie er Zazen übte, wenn er sich von Gogo-an aus auf Reisen begab. Ryōkan konnte ziemlich unmissverständlich sein, wenn er bei jemand anderem keinen konsequenten Geist der Übung entdecken konnte. Er selbst war äußerst belesen und wenngleich er oft darüber schreibt, wie viele Verfehlungen er bei sich entdeckt - die Einhaltung der Grundlagen für Ethisches Handeln hatten für ihn neben Zazen höchste Wichtigkeit. Hier möchten wir nach und nach kurze Lehrreden, bzw. -gedichte Ryōkans, aber auch Übersetzungen von Dharma-Vorträgen von Eido Carney Roshi zu Ryōkan-san vorstellen. Wir beginnen mit einem Dharma-Vortrag von Eido Roshi: "Über die Übung des Verzichtes" |

