Gedichte im Chinesischen Stil (geschrieben in Chinesisch, romanisiert ins Sino-Japanische) Wenn ich hier sitze und den fallenden Blättern lausche - in welch heiterer Gelassenheit verläuft doch das Leben derer, die ihr zuhause verlassen. Vom Denken befreit, fast unbemerkt: Tränen auf meinem Tuch. Zashi te tokini rakuyō wo kiku mo sei ni jū, kore shukke, jūrai shiryō wo tachi shi mo, oboe zu namida kin wo uruosu. Heute beim Bettelgang - ein Regenguss. Eine Weile finde ich Unterschlupf in einem alten Schrein. Lacht nur über meinen Becher und meine Schale! Mein ganzes Leben rein und klar, nach Art eines heruntergekommenen Hauses. Kyō jiki wo Kou te shūu ni ai, zanji kaihi-su koshi no naka. Warau beshi ichibyō ippatsu to wo. Shōgai shōsai tari hake no fū. Die Welt verlassend, den Körper verlassend - ein Mensch des Müßiggangs! Mit dem Mond und den Blüten verbringe ich mein restliches Leben. Der Regen wäscht rein, die Wolken reinigen, mein Geist wird klar. Herz und Geist sind klar und die Dinge in der ganzen Welt sind rein. Yo wo sute mi wo sute te kanja to nari, tsuki to hana to ni yosei wo okuru. Ame hare kumo hare te, ki mo mata hareru. Kokoro kiyoku shi te henkai mono mina kioshi. Das Haar verwahrlost, die Ohren stehen hervor. Zerrissen das Gewand wie Wolken und Nebel in der Abenddämmerung. Auf dem Weg nach Hause laufen die Kinder zusammen. Kinder von Westen, Kinder von Osten. Tōhatsu hōhō mimi takusaku Nōe nakaba yabure te un’en no gotoshi. Nichibo jōtō kirai no michi. Jidō aiōsu nishi mata higashi. Sorglos Der Rock zu kurz, die Jacke zu lang Frei und ruhig verbringe ich den Augenblick. Kinder auf der Strasse bemerken mich bald - Hände klatschend, Ballspiel-Lieder singend. Tōtō Kunsu wa mijikaku, hensan wa nagashi. Tōtō gotsugotsu to shi te shimo ni sugu. Hakujō no jidō tachimachi ware wo mi te te wo uchi hitoshiku utau hōkyū no uta. Tag für Tag, Tag für Tag und Tag für Tag. Still in der Kinder Schar - mein Leben. In den Ärmeln zwei oder drei kleine Bälle, nutzlos und trunken ob dieses friedlichen Frühlings. Nichinichi nichinichi mata nichinichi shuzukani jidō wo tomonat te kono mi wo okuru. Shūri no kyūshi ryō-san ko. Munō hōsuisu taihei no haru. Ein verzierter Ball, gespielt und gespielt. Ich rühme mich von guter Hand zu sein, keiner ist mir gleich. Wenn jemand nach dem Geheimnis meines Könnens fragt: Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben! Ikko no shūkyū uchi, mata uchi mizukara hokoru kōshu rinhitsu nashi to. Kono naka no ishi moshi aitowa ba, Ichi ni san shi go roku shichi. Nach dem Bettelgang in der Stadt trage ich freudig das Bündel nach Hause. Nicht wissend wohin, ist meine Hütte dort bei dieser weißen Wolke. Jōchū jiki wo koi owari tokutokutoshi te fukuro wo tazusae te kaeru. Kirai suru wa shirazu, izure no tokoro taru wo. Ie wa hakuun no hotori ni ari. An einem Abend auf Reisen den Grillen zuhören Die Zeit vergeht, Frühling wird zu Herbst. Still ist dieser Tempel, dichter Tau überall. Grillen am Fenster weben und weben. Nicht einmal ein einziger Faden für diesen armen Mönch. Ryoya sakei wo kiku Kyosho jinzentoshi te haru aki to nari, sūsha shōjōtoshi te hakuro shigeshi. Sakei mado ni attat te shūya ore domo, hindō ga tame ni isshi wo me kake zu. Unkraut zupfen: ein Kind vom anderen trennen Wieder habe ich mit Kindern Unkraut zupfen gespielt. Ich kämpfte und kämpfte mit reiner Freude – welch ein Genuss! Später in der Abenddämmerung – Einsamkeit. Ein klarer Mond scheint über der nackten Herbstnacht. Tōsō Mata jidō to hyakusō wo tatakawa su. Tatakai sari, tatakai kitat te utata fūryū. Nichibo ryōryō, hito kaeru no nochi ichirin no meigetsu soshū wo shinogu. Die leere Schale Blauer Himmel, Gänse rufen. Auf dem kahlen Berg fliegen die Blätter davon. Rauch strömt aus den Häusern auf der Dorfstrasse. Allein, meine leere Schale hochhaltend, gehe ich nach Hause. Kūu Seiten kangan naki, Kūzan mokuyō tobu. Nichibo enson no michi. Hitori kūu wo kakage te kaeru. Einbruch Han und Futon sind gestohlen worden. Ein Dieb kam in eine Grashütte, wer wollte es ihm verübeln? Den Rest dieser Nacht verbringe ich alleine am ruhigen Fenster. Sanfter Regen fällt leise auf den verstreuten Bambuswald. Zoku ni au Zempan futon tori mochi saru. Zoku sōdō wo dasu, tare ka aete todome n. Shūshō koza-su, yūsō no moto. Sou shōshōtari kuchiku no hayashi. Ein nutzloser, zerbrechlicher alter Mann. Zufällig lebt er in einem alten Tempel und kümmert sich um seinen Körper. Ob der Bedeutung Ehrwürdiger Lehrer befragt, wie kann er antworten? Ein Regenguss, der das Fenster trifft, eine Kiefer, die im Winde schluchzt. Rōtō munō no ichi rō’ō. Tamatama koji ni jūshi te kono mi wo yashinau. Moshi soi wo towa ba, nani wo mot te hōze n. Mado wo utsu sōu, kaze ni musebu matsu. Geschrieben an einem verschneiten Abend in meiner Hütte Über siebzig Jahre müde des Schauens durch der Menschen Richtig und Falsch Der Pfad draußen ist in tiefem Schnee vergraben. Ein Räucherstäbchen unter dem alten Fenster. Sōan setsuya no saku Kaishu-su, shichijū yūyo nen. Ningen no zehi, kampa-suru ni aku. Ōrai no ato kasuka nari. Itchū no senkō kosō no shita. Eintausend Wipfel vermischen sich mit gefrorenen Wolken. Zehntausend Wege – keine menschliche Spur. Tag für Tag nur mit dem Gesicht zur Wand. Bisweilen der Klang von Schneespritzern an meinem Fenster. Sempō tōun gasshi bankei jinseki tayu. Mainichi tada mempeki. Tokini kiku, mado ni sosogu no yuki. Lumpen und Lumpen Lumpen sind mein Leben Mein Essen ist der Feldwege Gabe. Meine Hütte fällt dem Unkraut anheim. Den Mond betrachtend, summe ich die ganze Nacht. Verloren inmitten von Blüten, vergesse ich zurückzukehren. Seitdem ich das Kloster verlassen habe, bin ich irgendwie ein solcher Tölpel geworden. Ranru mata ranru. Ranru, kore shōgai. Shoku wa wazuka ni rohen ni tori, ie wa makotoni kōrai ni yudanu Tsuki wo mi te, shūya osobuki, hana ni mayō te koko ni kaera zu. Hitotabi osha wo ide te yori ayamat te kono dotai to naru. Seit ich mein zuhause verlassen habe, mich dem Schicksal überlassend, kümmert mich kein Kalender mehr. Gestern lebte ich auf einem grünen Berge. Heute spiele ich in der Stadt. Mein hundertfach geflicktes Gewand. Eine einzige Schale kennt keine Jahre. Auf meinen Wanderstab gebeugt, singe ich in der klaren Nacht. Ich breite meine Strohmatte aus, über mir der Mond. Wer sagt, ich sei keiner der ihren? Dies Leben von mir, es ist nur dies. Hitotabi ie wo ide te yori nin’un, nisshi wo kesu. Kinō wa seizan ni sumi kesa wa jōshi ni asobu. Nōe hyaku yo ketsu. Ippatsu ikusai wo shiraz u. Shaku ni yotte seiya ni ginji mushiro wo shiite getsuri ni nemuru. Dare ka iu, kazu ni ira zu to. Kore yo ga mi sunawachi kore. Seit ich von Zuhause fortging, hängt mein Verbleib an Wolken und Nebel. Zuweilen vermischt mit Holzfällern und Fischern. Bisweilen habe ich Spaß mit Kindern. Wie kann der Ruhm von Königen und Herren ausreichen? Ein Zauberer zu sein, ist nicht mein Wunsch. Wo es genehm ist, dort bleibe ich. Es muss nicht der Berg Song sein. Dem Wandel folgend, erneut Tag für Tag, sollst Du Dein Leben federleicht vollenden. Hitotabi shukke-shi te yori shōseki un’en ni yosu. Aruiwa shōgyo to majiri, mata jidō to tanoshimu. Ōkō nan zo ei to suru ni tara n. Shinsen mo mata negai ni ara zu. Au tokoro, sunawachi kyūshi nan zo kanarazu shi mo Sūkyū no yama nomi nara n. kano nisshin no ke ni jōji yūyū toshi wo kiwamu beshi. Übersetzung aus dem Originaltext: Kazuaki Tanahashi und Friederike Boissevain, © 2008 |
