Praxisprobleme Pädagogik

Textbeispiele:
 
A

Eine Berufseinsteigerin tritt zum Schuljahresanfang in Heidelberg ihre erste Stelle an. Sie übernimmt als Klassenlehrerin eine 2. Klasse. Nach drei Wochen hat Sie sich leistungsmäßig einen ersten Überblick verschafft und ist mit dem Niveau sehr zufrieden. Aber immer wenn sie morgens das Klassenzimmer betritt, ist sie von einer "Kinder-Traube" umringt. Auch in der Pause kommen ständig Kinder zu ihr, meistens um andere zu "verpetzen". Einige Mädchen weigern sich, bei Partner- oder Gruppenarbeit neben Jungen zu sitzen. Bei Lernkontrollen fällt auf, dass die Kinder auf den Tischen Sichtschutzbarrikaden aufstellen. Diese Verhaltensweisen gefallen der Lehrerin überhaupt nicht und sie möchte bei der bevorstehenden Klassenpflegschaftssitzung mit den Eltern darüber sprechen.

Problemanalyse

 
B

Eine Lehrerin unterrichtet in ihrem ersten Dienstjahr an einer Brennpunktschule eine Klasse mit schwieriger Zusammensetzung.

Die  junge Kollegin berichtet wenige Wochen nach dem Schuljahresanfang von einem ruppigen und rohen Umgangston der Schülerinnen und Schüler untereinander. Und in letzter Zeit kämen auch verstärkt obszöne Ausdrücke hinzu. Heute habe ein Junge zu einem Mädchen ein ganz übles Wort gesagt, das sei so schlimm, dass man als Lehrerin dabei rot werde und die Schülerin habe geheult und sei nur schwer zu beruhigen gewesen…

 

Hier finden Sie jeden Monat ein neues Praxisproblem!

Januar:

Eine Berufseinsteigerin bereitet sich in der zweiten Ferienhälfte auf die Übernahme einer dritten Klasse vor. Sie kennt bereits ihr Klassenzimmer, verfügt über die Schülerliste und die vorhandenen Lehr- und Lernmaterialien für diesen Jahrgang. Sie macht sich Gedanken über die Raumgestaltung, über ihr erzieherisch-didaktisches Konzept und über den Stoffverteilungsplan. Drei Tage vor Schuljahresbeginn findet eine große Konferenz statt und alles kommt ganz anders: Mit größtem Bedauern und mehreren Entschuldigungen teilt ihr der Rektor mit, dass er die Klassenzuteilung ändern musste und sie aufgrund dreier Schwangerschaften im Kollegium eine erste Klasse übernehmen müsse.

Februar:

Das Schuljahr hat gerade begonnen und eine Referendarin, bei der im ersten Ausbildungshalbjahr alles ziemlich glatt lief, übernimmt den Lehrauftrag in Mathematik in Klasse acht. Sie steht bereits nach kurzer Zeit vor einer vollkommen neuen Situation: Die Schülerinnen und Schüler machen mit und sind bemüht, aber die Referendarin merkt, dass es in ihrem Unterricht von Mal zu Mal insgesamt etwas unruhiger und lauter wird. Sie merkt, da kommt was auf sie zu. Sie verspürt ein mulmiges Gefühl und registriert bei sich körperliche Reaktionen wie feuchte Hände und gelegentliche Hitzewallungen.

Kommentar:

Dieses PP hat eine Referendarin vor wenigen Jahren auf dem Vorlesestuhl in der Mitte meiner Pädagogikgruppe vorgetragen.

Die Teilnehmerinnen konnten danach Informationsfragen an die Kollegin richten. Im Anschluss fand eine moderierte Problemanalyse statt.

Ein erstes Zwischenergebnis lautete:

Die Kollegin macht sehr viel recht gut.

Unsere Maßnahme:

Wir schrieben kleine Zettel mit all den positiven Dingen in der Form von Komplimenten und schenkten sie der Referendarin auf dem Vorlesestuhl. In der anschließenden Reflexion fand sie das rührend und fühlte sich deutlich besser.

Nun konnte die Gruppe in gelöster Stimmung die Analyse weiter führen.

Unser weiteres Ergebnis lautete:

Eine zunehmende Unruhe hat zumeist mit abnehmender Konzentration zu tun. Als Lösungsmöglichkeiten wurden Stilleübungen, Rhythmisierungen des Unterrichts und Konzentrationsförderung erörtert. Letztlich entschied sich die Referendarin gemeinsam mit der Gruppe ein Konzentrationstraining zu entwickeln.

Produkte aus dieser Bearbeitung:

# Eine Ideensammlung mit Spiel- und Übungsformen zur Konzentrationsförderung

   (Diese Datei war drei Jahre lang im Internet sehr begehrt!)

# Ein Reflexionsbogen mit + /- Spalten zu einer ausgewogenen Betrachtungsweise

Beides war für die betreffende Referendarin von großem Nutzen.

 

Wenn Sie dazu eine Problemanalyse erstellen möchten, halten Sie sich bitte zweckmäßigerweise an folgenden Ablauf:

1. Formulieren Sie die Kernfrage des Praxisproblems

2. Versuchen Sie das Praxisproblem zu visualisieren

3. Erstellen Sie eine Grobanalyse des Praxisproblems

4. Verästeln Sie die Grobanalyse zur Feinanalyse inklusive der Handlungsmöglichkeiten

5. Entscheiden Sie sich für die drei wichtigsten Handlungsstrategien!

 
 
 
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In dem Buch "Praxis Probleme Pädagogik" von Jutta und Eberhard Schwenk im Schneider Verlag Hohengehren finden Sie nicht nur ca. 150 derartige Texte sondern auch etliche Analysetipps und zahlreiche Mindmaps.
ISBN 9783834006141  Preis 18,- Euro
 
Dort finden Sie Praxisprobleme zu folgenden Themen:
 

Autorität und Lehrerpersönlichkeit

Disziplin

Elternarbeit und Elterngespräche

Hausaufgabenpraxis

Klassenführung

Klassenübernahme

Kommunikation

Lehr- und Lernprozess

Leistungsmessung und Notengebung

Mobbing und Gewalt

Motivation

Schulentwicklung

Schuljahresanfang

Umgang mit Problemschülern

Unterrichtsmethoden  
und noch mehr!   
 
                  
 

© Eberhard Schwenk