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Für den geübten Analysten ist die Grenze zwischen Grob- und Feinanalyse fließend, weil in der Problemanalyse das eine ins andere oft nahtlos übergeht.
In dem Buch "Praxis Probleme Pädagogik" von Jutta und Eberhard Schwenk im Schneider Verlag Hohengehren finden Sie nicht nur ca. 150 Praxisprobleme sondern auch etliche Analysetipps und zahlreiche Mindmaps.
ISBN 9783834006141 Preis 18,- Euro
Mein bester Analysetipp!
Sie kehren Ihr Praxisproblem um ins positive Gegenteil und müssen dann nur noch überlegen, was dazwischen passiert sein kann. Ganz einfach, probieren Sie es aus!
Praxisproblem A
Eine Berufseinsteigerin tritt zum Schuljahresanfang in Heidelberg ihre erste Stelle an. Sie übernimmt als Klassenlehrerin eine 2. Klasse. Nach drei Wochen hat Sie sich leistungsmäßig einen ersten Überblick verschafft und ist mit dem Niveau sehr zufrieden. Aber immer wenn sie morgens das Klassenzimmer betritt, ist sie von einer "Kinder-Traube" umringt. Auch in der Pause kommen ständig Kinder zu ihr, meistens um andere zu "verpetzen". Einige Mädchen weigern sich, bei Partner- oder Gruppenarbeit neben Jungen zu sitzen. Bei Lernkontrollen fällt auf, dass die Kinder auf den Tischen Sichtschutzbarrikaden aufstellen. Diese Verhaltensweisen gefallen der Lehrerin überhaupt nicht und sie möchte bei der bevorstehenden Klassenpflegschaftssitzung mit den Eltern darüber sprechen.
Das Gegenstück: Eine engagierte Berufseinsteigerin tritt zum Schuljahresanfang in Heidelberg erwartungsfroh ihre erste Stelle an. Sie übernimmt freudig als Klassenlehrerin eine 2. Klasse. Nach drei Wochen hat sie sich auf vielfältige Weise einen ersten Überblick verschafft und ist mit dem Niveau sehr zufrieden. Immer wenn sie morgens das Klassenzimmer betritt, wird sie von den Kindern umringt und liebevoll begrüßt. Auch in gemeinsamen kleinen Pausen suchen Kinder das Gespräch mit ihrer Lehrerin, die sich aber auch zurückziehen darf, wenn sie Dinge erledigen will. Bei Partner- und Gruppenarbeit arbeiten Mädchen und Jungen gerne und unterstützend zusammen. Auch bei Lernkontrollen kommt es vor, dass sie sich helfen. Die gegenseitige Hilfsbereitschaft ist sehr ausgeprägt, was der Lehrerin sehr gefällt. Sie will bei der bevorstehenden Klassenpflegschaft den Eltern davon berichten.
So oder so ähnlich kann das positiv gewendete Praxisproblem aussehen. Jetzt die Problemanalyse anzugehen, die Faktoren der Grobanalyse zu benennen und diese zur Feinanalyse auszubauen, ist mit etwas Übung geradezu ein Kinderspiel:
1. engagierte, freudige, gesprächsbereite Lehrerpersönlichkeit: Sie macht den Kindern den Wechsel leicht 2. zügige, abwechslungsreiche Bestandsaufnahme/ Diagnostik: Sie bezieht die Palette der Spielformen ein 3. immer gleiche Abläufe durch Rituale und Regeln: Sie bietet den Kindern Vorbild und Orientierung 4. gemeinsame Pausen, offenes Ohr der L. sind Elemente der Klassenführung und des Erziehungsstils 5. helfende, gegenseitig unterstützende Schüler dokumentieren Sozialverhalten: Sie lebt eine Kultur des Helfens 6. Schuljahresanfang: Sie wird dieser Zeit in besonderer Weise gerecht und zeigt Erfolgszuversicht, macht Mut 7. informiert die Eltern: Sie pflegt die Kommunikation und schafft Vertrauen
Das Hauptthema könnte die "Kultur des Helfens" sein! Dazu lassen sich dann zahlreiche Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Wir stellen das am Seminar Pforzheim mit Zweigeszweigen in der Mindmap dar. So wird aus der Grobanalyse die Auffächerung zur Feinanalyse. Bei der Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten ist es extrem wichtig gewohnte Denkweisen zu durchbrechen, weil Sie nur so neue Handlungsperspektiven erkennen und neue Handlungsmuster aufbauen können.
Probieren Sie es mit dem Praxisproblem B aus!
© Eberhard Schwenk
Denken Sie immer daran: Prävention ist wichtiger als Intervention! |