SZBZ 26.07.2011
Kreiszeitung 08.05.2010
Beinarbeit, die ein junges Leben begleitet
Der irische Volkstanz kommt wie sein schottischer Bruder zwar aus dem hohen Norden. Aber auch im tiefen Süden findet er immer mehr Anhänger, die damit Erfolge einheimsen. Wie die irische Tanzschule "Scoil Rince O'Brannlaig". Die kam aus Malaga mit zwei WM-Titeln zurück.
Von Siegfried Dannecker
SINDELFINGEN. Irischen Tanz zu beschreiben, das ist kein leichtes Unterfangen. Eigentlich muss man ihn gesehen haben, dann ist man auch als Nicht-Ire sofort begeistert, weil: Diese Beinarbeit, die ist schon der Wahnsinn. Und ein ehernes Gesetz besagt, dass jeder Tanz eine eigene Choreografie braucht, die man bei niemandem abkupfern darf. Höchstens sich an Vorbilder anlehnen.
Sütex-Gebäude in der Sindelfinger Eschenbrünnlestraße an einem Donnerstagabend. Wo früher Textilien gehandelt worden sind, hat Elaine Walker ihre Schule für irischen Tanz aufgemacht, die seit ihren Anfängen in Gärtringen anno 2004 einen steilen Aufschwung genommen hat. Um die 100 Kinder und Jugendliche gehören der "Scoil Rince O'Brannlaig" an (davon eben mal drei aus der männlichen Fraktion).
Im Eck gibt ein Henkelmann den Takt und den Beat vor. Aus den Lautsprechern dringt eine Mischung aus traditionellen Weisen, die elektronisch aufgepeppt wird. Jedenfalls kommt plötzlich eine Armada vielleicht elf-, zwölfjähriger Mädels eingelaufen und scheint auf dem Klangteppich beinahe zu schweben. Wie Flummis heben die Mädchen vom Boden ab, nachdem sie ihn mit ihren ballettartigen "Soft shoes" doch kaum berührt haben. Elaine Walker kennt den Effekt, den so eine Vorführung auf Außenstehende hat. "Ja, der irische Tanz hat sich von der Tradition her sehr weiterentwickelt. Viele Einflüsse kamen aus Amerika", sagt die 47-jährige Engländerin mit irischen Eltern, die es vor über 20 Jahren nach Darmsheim verschlagen hat - der Liebe wegen.
Irischer Tanz hat einiges mit dem schottischen gemeinsam. Und unterscheidet sich doch. Beim schottischen Bruder sind die Füße gekreuzt, bei der irischen Schwester die Beine absolut zusammen. Die Arme werden in der irischen Variante nicht benutzt. Das heißt: Hier ist Beinarbeit angesagt, aus ihnen kommt die Kraft. Getanzt wird deshalb völlig senkrecht, steif und gerade - "halt so, als ob man aufs Klo müsste", lacht Elaine Walker. Und doch wirkt das Ganze vollkommen ästhetisch. Das gilt auch nicht weniger für die irische Stepptanz-Variante, wo es ein wenig klackert wie beim Flamenco oder Tango.
Wenn Elaine Walker von ihren Schützlingen erzählt, dann hört man da einen beinahe mütterlichen Stolz heraus. Schließlich hat die 47-Jährige ihre Eleven zu höchsten Höhen gebracht. Schon bei der Weltmeisterschaft von Duisburg kam die Truppe mit einem WM-Titel wieder; nun sogar aus Malaga mit zwei. Da wurde in Summe 69-mal eine Goldmedaille umgehängt. Mit 31 Teilnehmenden von insgesamt 400 war die Sindelfinger Irischer-Tanz-Schule die größte deutsche Einzeldelegation.
Wichtiger freilich als Medaillen und Urkunden sind Elaine Walker und ihrer Truppe die vielen Erinnerungen und menschlichen Begegnungen. Zwar gibt es beim irischen Tanz natürlich auch Soloauftritte. Aber viel mehr im Fokus stünde Teamwork, sagt Elaine Walker über ihre Art Tanzschule fürs Leben: "Da muss sich jeder in die Choreografie einfügen und mit den anderen arrangieren. Da ist jeder wichtig für den gemeinsamen Erfolg. Trophäen kommen in die Schublade, Erinnerungen bleiben dauerhaft im Kopf."
Dass dieses Tanzen sehr viel Disziplin voraussetzt, daran lässt Elaine Walker keinen Zweifel. Das sei vergleichbar dem Kampfsport. "Ohne Fleiß kein Preis", lacht die Engländerin, die als Muttersprachlerin für den Tanzunterricht natürlich prädestiniert ist. Denn der läuft komplett auf Englisch ab. Was eine gute Schule sei, so die Tanzlehrern, färbe das doch auf den Englisch-Schulunterricht gleich mit ab.
Den einen WM-Titel in Malaga gab's für einen Showtanz mit 27 Kindern zwischen sieben und 25 Jahren - eine eigene Choreografie, "weil meine Schüler Mitspracherecht haben sollen". Den zweiten Titel gab's für den traditionellen Gruppentanz "Under 12 Ceili", der sehr schwer zu erreichen ist, weil: Da sind 40 Figuren vorgeschrieben.
Kreiszeitung 08.05.2010
Beinarbeit, die ein junges Leben begleitet
Die Tänzerinnen der "O'Brannlaig-School of Irish
Dance" haben im spanischen
Malaga zwei WM-Titel geholt - Stolz bei Leiterin Elaine Walker
Malaga zwei WM-Titel geholt - Stolz bei Leiterin Elaine Walker
Der irische Volkstanz kommt wie sein schottischer Bruder zwar aus dem hohen Norden. Aber auch im tiefen Süden findet er immer mehr Anhänger, die damit Erfolge einheimsen. Wie die irische Tanzschule "Scoil Rince O'Brannlaig". Die kam aus Malaga mit zwei WM-Titeln zurück.
Von Siegfried Dannecker
SINDELFINGEN. Irischen Tanz zu beschreiben, das ist kein leichtes Unterfangen. Eigentlich muss man ihn gesehen haben, dann ist man auch als Nicht-Ire sofort begeistert, weil: Diese Beinarbeit, die ist schon der Wahnsinn. Und ein ehernes Gesetz besagt, dass jeder Tanz eine eigene Choreografie braucht, die man bei niemandem abkupfern darf. Höchstens sich an Vorbilder anlehnen.
Sütex-Gebäude in der Sindelfinger Eschenbrünnlestraße an einem Donnerstagabend. Wo früher Textilien gehandelt worden sind, hat Elaine Walker ihre Schule für irischen Tanz aufgemacht, die seit ihren Anfängen in Gärtringen anno 2004 einen steilen Aufschwung genommen hat. Um die 100 Kinder und Jugendliche gehören der "Scoil Rince O'Brannlaig" an (davon eben mal drei aus der männlichen Fraktion).
Im Eck gibt ein Henkelmann den Takt und den Beat vor. Aus den Lautsprechern dringt eine Mischung aus traditionellen Weisen, die elektronisch aufgepeppt wird. Jedenfalls kommt plötzlich eine Armada vielleicht elf-, zwölfjähriger Mädels eingelaufen und scheint auf dem Klangteppich beinahe zu schweben. Wie Flummis heben die Mädchen vom Boden ab, nachdem sie ihn mit ihren ballettartigen "Soft shoes" doch kaum berührt haben. Elaine Walker kennt den Effekt, den so eine Vorführung auf Außenstehende hat. "Ja, der irische Tanz hat sich von der Tradition her sehr weiterentwickelt. Viele Einflüsse kamen aus Amerika", sagt die 47-jährige Engländerin mit irischen Eltern, die es vor über 20 Jahren nach Darmsheim verschlagen hat - der Liebe wegen.
Irischer Tanz hat einiges mit dem schottischen gemeinsam. Und unterscheidet sich doch. Beim schottischen Bruder sind die Füße gekreuzt, bei der irischen Schwester die Beine absolut zusammen. Die Arme werden in der irischen Variante nicht benutzt. Das heißt: Hier ist Beinarbeit angesagt, aus ihnen kommt die Kraft. Getanzt wird deshalb völlig senkrecht, steif und gerade - "halt so, als ob man aufs Klo müsste", lacht Elaine Walker. Und doch wirkt das Ganze vollkommen ästhetisch. Das gilt auch nicht weniger für die irische Stepptanz-Variante, wo es ein wenig klackert wie beim Flamenco oder Tango.
Wenn Elaine Walker von ihren Schützlingen erzählt, dann hört man da einen beinahe mütterlichen Stolz heraus. Schließlich hat die 47-Jährige ihre Eleven zu höchsten Höhen gebracht. Schon bei der Weltmeisterschaft von Duisburg kam die Truppe mit einem WM-Titel wieder; nun sogar aus Malaga mit zwei. Da wurde in Summe 69-mal eine Goldmedaille umgehängt. Mit 31 Teilnehmenden von insgesamt 400 war die Sindelfinger Irischer-Tanz-Schule die größte deutsche Einzeldelegation.
Wichtiger freilich als Medaillen und Urkunden sind Elaine Walker und ihrer Truppe die vielen Erinnerungen und menschlichen Begegnungen. Zwar gibt es beim irischen Tanz natürlich auch Soloauftritte. Aber viel mehr im Fokus stünde Teamwork, sagt Elaine Walker über ihre Art Tanzschule fürs Leben: "Da muss sich jeder in die Choreografie einfügen und mit den anderen arrangieren. Da ist jeder wichtig für den gemeinsamen Erfolg. Trophäen kommen in die Schublade, Erinnerungen bleiben dauerhaft im Kopf."
Dass dieses Tanzen sehr viel Disziplin voraussetzt, daran lässt Elaine Walker keinen Zweifel. Das sei vergleichbar dem Kampfsport. "Ohne Fleiß kein Preis", lacht die Engländerin, die als Muttersprachlerin für den Tanzunterricht natürlich prädestiniert ist. Denn der läuft komplett auf Englisch ab. Was eine gute Schule sei, so die Tanzlehrern, färbe das doch auf den Englisch-Schulunterricht gleich mit ab.
Den einen WM-Titel in Malaga gab's für einen Showtanz mit 27 Kindern zwischen sieben und 25 Jahren - eine eigene Choreografie, "weil meine Schüler Mitspracherecht haben sollen". Den zweiten Titel gab's für den traditionellen Gruppentanz "Under 12 Ceili", der sehr schwer zu erreichen ist, weil: Da sind 40 Figuren vorgeschrieben.
Anderen Irischen Tanz beizubringen, dafür ist Elaine Walker wie geschaffen, hat sie doch selbst mit zarten drei Lenzen vom Opa die anmutigen Schritte gelernt und später Englisch und Irischen Tanz an Schulen unterrichtet. "Standard, Fox, Jive und so weiter kann ich lustigerweise aber nicht", räumt die Frau aus Birmingham in Mittelengland freimütig ein. Die Anfänger(innen) beginnen mit vier Jahren und grünem Rock mit weißem Oberteil. Danach folgt ein Kleid in Rot und Schwarz. "Make-up aber gibt's erst mit zwölf", schmunzelt die Wahl-Darmsheimerin. Das ist dann auch das Alter, wo man so langsam Richtung farbenfrohe Glitzerkleider kommt. Wer diese komplizierten Dinge einfach lernen will, kommt am besten in eine Trainingsstunde oder schaut am heutigen Samstag in der Festhalle Altdorf vorbei, wo das um 19.30 Uhr beginnende "Festival der jungen Talente" gegen 21 Uhr auch die Sindelfingerinnen auf die Bühne bringt. Einfach herzuleiten ist der für schwäbische Zungen komplizierte Schulname. "Scoil" heißt auf Gälisch Schule, "Rince" Tanz - und O'Brannlaig ist Elaine Walkers Mädchenname. |




