Ob ritualisiert oder nicht, enthält Kunst die Rationalität der Negation. In ihren fortgeschrittenen Positionen ist sie die Große Weigerung — der Protest gegen das, was ist.
"DAS FEUER ERLISCHT NICHT" - Ausstellung zu 8 politischen Gefangenen, die den Knast in der BRD nicht überlebt haben Paolo Neri, ein italienischer Künstler, ehemaliger Gefangener, kommt in die BRD. Er zeigt seine Mosaiken aus Marmor, die 8 Gefangenen aus bewaffneten Gruppen darstellen, die den Knast nicht überlebt haben: Von Sigurd Debus und den Gefangenen aus der RAF, Holger Meins, Siegfried Hausner, Ulrike Meinhof, Jan-Carl Raspe. Andreas Baader, Grudun Ensslin, Ingrid Schubert.
An Walter Benjamins Denkbilder erinnern die in diesem Band versammelten kurzen, bei aller reflexiven Dichte "erzählerischen" Prosastücke des italienischen Philosophen Giorgio Agamben: dreißig Betrachtungen - "Idee der Musik", "Idee des Friedens", "Idee des Rätsels" -, in denen es um das Aufspüren einer Grenze geht. Denn Wahrheit, schreibt Agamben in "Idee des Rätsels", wird angemessen nur dort erfasst, wo "die Vorstellung einen Augenblick vor der Wahrheit einhält. Darum ist nur die Vorstellung wahr, die zugleich den Abstand vorstellt - aber was heißt einen Abstand vorstellen? -, der sie von der Wahrheit trennt."
Gespräche über Haschrebellen, Lorenz-Entführung, Knast.
»Die eigentliche Politisierung kam erst mit der Erschießung Benno Ohnesorgs am 2. Juni 1967. Nach all den Prügeln und Schlägen hatten wir das Gefühl, daß die Bullen auf uns alle geschossen haben. Gegen Prügel konntest du dich ja ein stückweit wehren. Daß aber einfach jemand abgeknallt wird, ging ein Stück weiter.«
Das wohl umfassendste Buch zur Geschichte der linksradikalen Szene in der
BRD nach 1968: Apo, Spontis, K-Sekten, italienische Autonomia, Anti-AKW-Bewegung, Häuserkampf, Startbahn West, Hafenstraße, IWF-Kampagne, Golfkrieg,
Antifa, bewaffneter Kampf ...
Sammlung von Zeitungsberichten zur Hausbesetzung in der Ekhofstrasse in Hamburg im Jahr 1973.
11.04.2009 05:57
pjotr tunichtgut
Militante Linke - Überfall auf das DPA Büro Frankfurt 1978
1 Überfall auf DPA Büro 1978 - Einladung Antiimperialistische Woche, 21 October 1978 Anzeigen
07.11.1978. Um auf den lebensbedrohlichen Zustand der RAF Gefangenen Karl-Heinz Dellwo und Werner Hoppe aufmerksam zu machen überfielen
11 Leute das DPA Büro in Frankfurt, um eine Erklärung über den Fernschreiber zu verbreiten. Alle 11 wurden verhaftet und zu Strafen zwischen 9 - 12 Monaten verurteilt.
Die Aktion wurde während der Antiimperialistischen Woche, die ab 21. October in Frankfurt stattfand, vorbereitet.
14.04.2009 11:32
pjotr tunichtgut
2 Überfall auf DPA Büro 1978 - Wolfgang Beer, Rede zur Antiimperialistischen Woche, 21 October 1978 Anzeigen
Wolfgang hält einen Vortrag über die Gründe für die Antiimperialistische Woche.
8 Überfall auf DPA Büro 1978 - Rede am Grab von Wolfgang Beer und Juliane Plambeck Anzeigen
Wolfgang Beer kam am 25. Juli 1980 gemeinsam mit Juliane Plambeck bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Der Unfall ereignete sich in der Nähe der Ortschaft Unterriexingen. Gegen 7:15 Uhr geriet der gestohlene weinrote VW Golf aus ungeklärter Ursache auf die linke Fahrbahnseite, wo er mit einem entgegenkommenden Kiestransporter zusammenstieß. Im Unfallfahrzeug fanden sich neben gefälschten Ausweispapieren und KFZ-Kennzeichen auch mehrere Waffen, von denen eine bei der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer 1977 benutzt worden sein soll. Angeblich soll die Fahrt ein Teil der Vorbereitungen zum späteren Anschlag auf den Oberbefehlshaber der US Landstreitkräfte in Europa General Frederick James Kroesen in Heidelberg gewesen sein.
Der dritte Denunziant - über Hans-Martin Schleyer Anzeigen
20 Jahre nach dem Deutschen Herbst ist von dem ehemaligen SS-Führer und späteren Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer nur das Opfer der RAF übriggebliebenaus: Konkret 9/97
Die Posener Reden waren zwei Geheimreden, die Heinrich Himmler als Reichsführer-SS am 4. und 6. Oktober 1943 im Rathaus der damals von Deutschen besetzten polnischen Stadt Posen hielt. Ihre Aufzeichnungen sind die ersten bekannten Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus, in denen ein hochrangiges Regierungsmitglied die damals stattfindende Judenvernichtung vor ausgewähltem Publikum offen aussprach. Sie belegen, dass das NS-Regime den Holocaust gewollt, geplant und durchgeführt hat.
25.03.2009 13:26
pjotr tunichtgut
Marcuse - Ueber soziale u. pol. Aspekte des Nationalsozialismus Anzeigen
Aus Herbert Marcuse "Nachgelassene Schriften"
Band 5:
Feindanalysen - Über die Deutschen
Reinhard Neebe: Großindustrie, Staat und NSDAP 1930-1933 Anzeigen
Wie groß war der Einfluß der Industrie auf das politische Geschehen und welche Standpunkte vertrat sie in der Endphase der Weimarer Republik? Auf breiter Quellengrundlage analysiert Reinhard Neebe die Interessenpolitik der industriellen Spitzenverbände in den Jahren 1930 1933 sowie die Konzeption und politische Strategie Paul Silverbergs, der 1932/33 eine Art Schlüsselposition besaß.
Die Quellenanalyse zeigt, über andere Arbeiten weit hinausgehend, welche Kräfte in der Großindustrie die Machtübernahme Hitlers tatsächlich förderten und welche die Konstellation vom 30. Januar 1933 verhindern wollten.
27.04.2009 07:21
pjotr tunichtgut
"Schöne Zeiten" - Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer Anzeigen
"Schöne Zeiten" - Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer.
» ... nach jedem Erschlagenen fingen sie an zu klatschen« Judenpogrome in Kauen (Kowno) und im übrigen Litauen.
»Summa 137346« Der sogenannte Jäger-Bericht.
Verbrechen der Wehrmacht. Begleitbroschüre zur Ausstellung.
02.04.2009 08:27
pjotr tunichtgut
Radikales aus der Provinz
"KLEINSTADT 1968"- Politische Jugendbewegungen 1967 - 1977 in der Provinz Anzeigen
Alle reden wieder von 1968 – das „alte Gespenst“ geht im Jubiläumsjahr 2008 wieder um. Alle reden von 1968 als dem „mythischen Datum“ des Höhepunktes der Studentenbewegung. Alle reden von 1968 in den Groß- und Mittelstädten - keiner redet über 1968 in den Kleinstädten. Wirklich keiner? Nein: Wir! Wir haben den 40jährigen Jahrestag von 1968 zum Anlaß genommen, endlich einmal die Geschichte von „1968 in den westdeutschen Kleinstädten“ in einer „Sozialgeschichte der Politischen Jugendbewegungen von 1967 bis 1977 in der Provinz“ nachzuzeichnen und dieses Ereignis immer wieder - im Zeitabstand von 10, 25 und 30 Jahren - zu analysieren und einzuschätzen.
13.04.2009 10:39
pjotr tunichtgut
Leute aus dem "Wilden Huhn" auf der Beerdigung der Stammheimer Anzeigen
Leute aus dem "Wilden Huhn" bei der Beerdigung von Gudrun, Andreas und Jan.
Du lass dich nicht verschrecken in dieser Schreckenszeit. Das wollen sie nur bezwecken dass wir die Waffen strecken schon vor dem großen Streit.
(große Datei, Laden kann etwas dauern!)
Nachrichten von und für Unzufriedene. (große Datei, Laden kann etwas dauern!)
13.04.2009 11:30
pjotr tunichtgut
RAF
Das Info-Briefe von Gefangenen aus der RAF Anzeigen
Das "info" 1973-1977 war das Kommunikationssystem zwischen den Ge- fangenen untereinander einerseits und der Gefangenen mit den sie vertretenden Rechtsanwälten ihres Vertrauens andererseits. Dieses bei den zahlreichen Zellendurchsuchungen mehrfach beschlagnahmte Material diente den Anklagebehörden unter anderem dazu, einige der am Verfahren beteiligten Rechtsanwälte zu kriminalisieren und vom Prozeß auszuschließen.
02.04.2009 08:01
pjotr tunichtgut
Die historische Bedeutung der RAF von Karl-Heinz Roth Anzeigen
Vieles, was die RAF zum erstenmal formulierte und zu realisieren suchte, wird bleiben: die Genossinnen und Genossen der RAF haben unser aller Endzeitbewußtsein, unsere moralische Krise, unsere halbherzige Widerstandsbereitschaft auf den Begriff gebracht, nicht wir. Trotzdem werden wir in der Substanz alles neu thematisieren müssen.
68 und Gewalt Vortrag und Filmreihe im Leokino Innsbruck am 26.1.2009.Sehr sehenswert und hörenswert, Karl-Heinz Dellwo - TEIL1- 5 - im Leokino Innsbruck.
28.03.2009 02:18
pjotr tunichtgut
Karl-Heinz Dellwo - Kein Ankommen, kein Zurück Anzeigen
Text von Karl-Heinz Dellwo aus dem Buch: "Nach dem bewaffneten Kampf".
Ehemalige Mitglieder der RAF und Bewegung 2. Juni sprechen mit Therapeuten über ihre Vergangenheit.
11.04.2009 05:06
pjotr tunichtgut
Karl-Heinz Dellwo - KEINE REVOLUTION OHNE BRUCH Anzeigen
KEINE REVOLUTION OHNE BRUCH Karl-Heinz Dellwo, Interview von Srecko Pulig Redaktionelle Notiz: Das nachfolgende Interview, das anlässlich des Subversiven Filmfestivals in Zagreb 2008 geführt wurde, erschien in Novesti, das politisch-kulturelle Wochenmagazin der serbischen Minderheit in Kroatien, unter dem Titel »Bedarf nach Revolutionierung der linken Meinung«.
Originaltextesammlung, Texte: der RAF (Tarnumschlag Per A Rosenberg), October 1977, 602 Seiten, book Bo Cavefors Verlag (Deutsch)
11.04.2009 04:49
pjotr tunichtgut
"wir haben mehr fragen als antworten" RAF Diskussionen 1992-1994 Anzeigen
Ob die Geschichte der Roten Armee Fraktion als Stadtguerilla in der BRD nach 25 Jahren bewaffnetem Kampf beendet ist, scheint momentan noch offen zu sein. Klar ist jedoch: Seit Oktober 1993 hat es einen Bruch zwischen den Illegalen der RAF und dem größten Teil der Gefangenen aus der RAF gegeben. Auch kann von keinem Gefan- genenkollektiv mehr ausgegangen werden. Dieses Buch macht den Diskussionsprozeß in der jüngsten Geschichte der RAF transparent. Die Textsammlung beginnt mit der sogenannten »April-Erklärung« von 1992 und umfaßt die darauf folgende Debatte.
Zwanzig Jahre nach dem Herbst '77 redet einer der Schleyer-Entführer unzensiert mit der Presse. Stefan Wisniewski (44) wurde 1978 festgenommen und 1981 für die Entführung und Ermordung Schleyers zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Er sitzt nun seit fast zwanzig Jahren im Gefängnis. Den Behörden gegenüber hat er nie ausgesagt.
Adorno selbst beschreibt negative Dialektik wie folgt: „Es handelt sich um den Entwurf einer Philosophie, die nicht den Begriff der Identität von Sein und Denken voraussetzt und auch nicht in ihm terminiert, sondern die gerade das Gegenteil, also das Auseinanderweisen von Begriff und Sache, von Subjekt und Objekt, und ihre Unversöhntheit, artikulieren will. Unter dem „Auseinanderweisen von Begriff und Sache“ ist dabei zu verstehen, dass die Identifikation (Gleichsetzung, wörtlich: Gleichmachung) einer Sache mit einem Begriff darauf beruht, dass die Gemeinsamkeiten verschiedener Sachen als deren Wesen begriffen werden, und die Identifikation damit etwas von der Identität abschneidet. Abstrahieren die Menschen in Begriffen, so üben sie auf die Dinge einen Zwang aus, der aus dieser Nichtidentität von Sache und Begriff resultiert. Adorno beschreibt mit der Negativen Dialektik eine philosophische Kritik an dieser Art identifizierenden Denkens. Er versteht dabei die Methode, die nach der Differenz von Begriff und Sache fragt, auch als sozialkritische Methode, da seiner Meinung nach die Begriffe auf gesellschaftlichen Maßstäben beruhen, und damit Teil eines totalen Verblendungszusammenhangs sind (vergleiche den Artikel kritische Theorie). An der hegelschen Dialektik kritisiert Adorno, dass Bejahung (Affirmation) nicht aus der Verneinung der Verneinung (aus der Negation der Negation) zu erhalten sei: da die Bezeichnung des Nichtidentischen wiederum ein Begriff ist, kann das Nichtidentische selbst nicht vollständig erfasst werden; der aus der Nichtidentität resultierende Widerspruch kann daher nicht auf einer höheren Ebene, synthetisch aufgelöst werden, sondern verkörpert – gemäß Adorno – absolute, unversöhnliche Gegensätze, die durch das begriffliche Denken hervorgerufen würden. Die Unvollständigkeit (die Nichtidentität) des Begriffs des „Nichtidentischen“ macht die kritische Selbstreflexion des dialektischen Denkers notwendig. Insbesondere vor der absoluten Negativität warnt Adorno, da diese als Bejahung der Verneinung selbst Positives sei, und damit die Negation wiederriefe.
Er wurde bewundert und verehrt: Durch die Schärfe seines Denkens und die Geschliffenheit seiner Sprache war Adorno die Instanz schlechthin, das kritische Gewissen der jungen Bundesrepublik Deutschland so wurde er bald zu einem Mythos.
überwiegend Auszüge aus der Korrespondenz zwischen Sohn-Rethel und Adorno sowie einige kurze Passagen aus den Manuskripten von Sohn-Rethel zur Frage nach dem Zusammenhang von Geldform und Transzendentalsubjekt.
Ist Lieben eine Kunst? Wenn es das ist, dann wird von dem, der diese Kunst beherrschen will, verlangt, daß er etwas weiß und daß er keine Mühe scheut. Oder ist die Liebe nur eine angenehme Empfindung, die man rein zufällig erfahrt, etwas,
was einem sozusagen »in den Schoß fällt«, wenn man Glück hat? Dieses kleine Buch geht davon aus, daß Lieben eine Kunst ist, obwohl die meisten Menschen heute zweifellos das letztere annehmen.
Die Begriffe »Haben« und »Sein« stehen für zwei Existenzweisen, die Fromm empirisch psychologisch und gesellschaftlich analysiert. Mit der Existenzweise des Seins verbindet er ein Leben, in dem der aktive Mensch nichts zu haben begehrt, sondern seine Fähigkeiten produktiv nutzt und eins ist mit der Welt. Im Gegensatz dazu ist das auf der Existenzweise des Habens basierende Leben dominiert durch das Streben nach materiellen Gütern, Geld, Ruhm, Macht, Wissen usw. Fromm untersucht die Faktoren, die das in der modernen Zivilisation ausgeprägte, am Haben orientierte Leben fördern und führt die Voraussetzungen an, die ein am Sein orientiertes, harmonisches Leben ermöglichen. Er beschreibt Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, die nicht vom Konsum in seinen vielfältigen Ausformungen geprägt ist und verweist auf die vehementen Gefahren, die drohen, wenn weiterhin der Besitz von Profit und Macht eine wesentliche Triebkraft des Menschen darstellt. Fromm fordert einen radikal-humanistischen Geist, um eine menschliche und gesellschaftliche Veränderung herbeiführen zu können.
Der Verfasser ist sich dessen voll bewußt, daß gegenwärtig keine Macht, Autorität oder Regierung vorhanden ist, die eine befreiende Toleranz in Praxis übersetzen würde, doch er meint, daß es Aufgabe und Pflicht des Intellektuellen ist, an geschichtliche Möglichkeiten, die zu utopischen geworden zu sein scheinen, zu erinnern und sie zu bewahren - daß es seine Aufgabe ist, die unmittelbare Konkretheit der Unterdrückung zu durchbrechen, um die Gesellschaft als das zu erkennen, was sie ist und tut.
Kritik am Kapitalismus und Analyse der internationalen Befreiungsbewegung – Herbert Marcuse formulierte in seinem Versuch über die Befreiung einen der wichtigsten Beiträge zur Theorie der Gesellschaft der sechziger Jahre.
Die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gemeinsam verfaßte Dialektik der Aufklärung ist der wichtigste Text der Kritischen Theorie und zugleich eines der klassischen Werke der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Philosophische Kritik, Auseinandersetzung mit dem Faschismus und die Resultate langjähriger empirischer Untersuchungen in den USA verschmelzen hier zu einer Theorie der modernen Massenkultur. Mit äußerster gedanklicher Schärfe beleuchten die Autoren die Kehrseite technischen und sozialen Fortschritts: "Aufklärung" als Herrschaft der Vernunft, als Unterwerfung der Natur unter die menschlichen Zwecke wird über sich selbst aufgeklärt.
Herbert Marcuse konstatiert sowohl in der Wissenschaft als auch im öffentlichen Diskurs ein „eindimensionales“ und „positives'“ bzw. „positivistisches“ Denken. Insbesondere die Wissenschaft flüchte sich aus Furcht vor Werturteilen oder politischer Einmischung in die Empirie und in quantitatives Denken. Grundsätzliche, qualitative Reflexion der gesellschaftlichen Probleme und Aufgabenstellungen fänden in dieser technokratischen Herrschaftswissenschaft nicht statt. Statt die Ungleichheit im Kapitalismus und die nukleare Bedrohung anzugreifen und zu kritisieren, würden diese Probleme nur verwaltet und somit immer neu reproduziert. Marcuse hebt in diesem Zusammenhang einen vom klassischen Marxismus noch nicht beachteten Kapitalismus-Aspekt besonders hervor: Die Manipulation des Individuums, seine Instrumentalisierung durch die suggestive Kraft der Konsumwerbung.
Der auf 1940 datierte Aufsatz „Autoritärer Staat“ behandelt die globale Tendenz zum Etatismus als Krisenlösungsstrategie des Kapitalismus in den dreißiger Jahren, sei dies nun in Form von Faschismus, Bolschewismus oder New Deal, sowie die Integration der Massen in bürokratischen Apparaten wie Gewerkschaften, u.a.. Die These knüpft an die Studien Friedrich Pollocks zum Staatskapitalismus an, der einen Übergang des liberalen Kapitalismus in einen quasi neofeudalen Etatismus konstatierte.
11.04.2009 04:02
pjotr tunichtgut
Moishe Postone - Antisemitismus und Nationalsozialismus Anzeigen
Die Linke machte einmal den Fehler, zu denken, dass sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte oder umgekehrt, dass alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll, nicht zuletzt für die Linke selbst.
Der Kapitalismus treibt auf eine ausweglose Situation zu. Der Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten sinkt, die Arbeitslosigkeit nimmt zu, der Ausweg in die Dienstleistungsgesellschaft erweist sich als Illusion. Die Marktwirtschaft wird mit ihren Produktivitätssprüngen - Automation und Globalisierung - nicht mehr fertig.In einer Analyse der drei großen industriellen Revolutionen zeichnet Robert Kurz die Geschichte des Kapitalismus nach und zeigt gleichzeitig, dass die bisherigen Gegenentwürfe das Wesen der Marktwirtschaft unangetastet ließen. Er macht deutlich, weshalb die Wachstumsdynamik der letzten 200 Jahre zwangsläufig erlischt und warum das bisherige System von Arbeit, Geldeinkommen undWarenkonsum nicht mehr zu retten ist.
28.03.2009 06:06
pjotr tunichtgut
Walter Benjamin - Über den Begriff der Geschichte Anzeigen
Der Klassenkampf, der einem Historiker, der an Marx geschult ist, immer vor Augen steht, ist ein Kampf um die rohen und materiellen Dinge, ohne die es keine feinen und spirituellen gibt. Trotzdem sind diese letztern im Klassenkampf anders zugegen denn als die Vorstellung einer Beute, die an den Sieger fällt. Sie sind als Zuversicht, als Mut, als Humor, als List, als Unentwegtheit in diesem Kampf lebendig und sie wirken in die Ferne der Zeit zurück. Sie werden immer von neuem jeden Sieg, der den Herrschenden jemals zugefallen ist, in Frage stellen. Wie Blumen ihr Haupt nach der Sonne wenden, so strebt kraft eines Heliotropismus geheimer Art, das Gewesene der Sonne sich zuzuwenden, die am Himmel der Geschichte im Aufgehen ist. Auf diese unscheinbarste von allen Veränderungen muß sich der historische Materialist verstehen.
” Zur Situation der Neuen Linken“ ist das Manuskript eines am 4. Dezember
1968 in New York von Herbert Marcuse gehaltenen Festvortrages. Anlass war
das 20 jährige Jubiläum der amerikanischen Zeitschrift The Guardian, deren
letzte Ausgabe 1992 erschien und die somit die langlebigste linke Wochenzeitschrift der USA war. Wir haben diesen Vortrag zur Veröffentlichung ausgewählt, weil er für uns noch heute wenig an Aktualität eingebüßt hat und
einige der zentralen Probleme und Perspektiven linksradikaler Politik auf den
Punkt bringt.