Volksabstimmung über Neutralität statt über Berufsheer
Wenn den Wählern die Frage
vorgelegt werden sollte, ob sie für ein Berufsheer (anstelle der Wehrpflicht)
sind, dann folgert daraus, dass
Österreich damit die Neutralität aufgeben und einem EU-Militärbündnis oder der Nato beitreten wird, schreibt Frau
Barbara Weber in ihrem Leserbrief „Verlogene Heeresdebatte“ vom 21.Jänner. Sie fragt mit Recht, ob wir mit einer
Entscheidung für ein Berufsheer wirklich auch die Neutralität aufgeben wollen.
Um diese Konsequenz einer
Entscheidung für ein Berufsheer aufzuzeigen, sollte meines Erachtens die
Befragung oder besser die Volksabstimmung über die Neutralität erfolgen: will
man die Neutralität aufgeben und ein Berufsheer schaffen oder die Neutralität behalten
und damit die Wehrpflicht. Eine solche
Volksabstimmung über die Neutralität könnte dann, wenn sie für die Neutralität
ausgeht, auch dazu dienen, den Rest der ursprünglich vollen Neutralität zu
erhalten. Wesentliche Teile der Neutralität, die ursprünglich eine Neutralität
nach Schweizer Vorbild sein sollte, sind durch den EU-Beitritt und den
EU-Verfassungsvertrag aufgegeben worden. Mit dem Auftrag der EU eines „immer engeren Zusammenschlusses“ müssten
in Zukunft auch die letzten Reste der Neutralität abgeschafft werden. Eine Volksabstimmung
könnte diesen Prozess zumindest aufhalten.
Frau Weber plädiert in ihrem
Leserbrief für die Neutralität und
zugleich für die Abschaffung aller Heere. Das ist leider eine schöne Utopie, in
der Realität muss es für die Verteidigung der Neutralität auch eine starke
Wehrmacht geben, sonst ist sie nicht glaubhaft.
Wir sollten uns bei dieser
bevorstehenden Entscheidung an Kaiser Maximilian erinnern, der vor 500Jahren im
Landlibell den Tirolern ihre Verteidigung in ihre eigene Verantwortung übertrug
und dafür verzichtete, die Tiroler für Kriegsführung in und gegen andere Länder
zu verpflichten. Wenn Österreich neutral bleibt, dann ist es jedem Österreicher
zumutbar, sein Land gegen ausländische Angriffe zu verteidigen. Sind wir aber
nicht mehr neutral, sondern Mitglied eines Militärbündnisses (EU oder Nato),
dann müsste unser Heer auch eingesetzt werden, um andere Mitglieder vor
Angriffen zu schützen oder auch Krieg in anderen Ländern, wie Afghanistan oder
Irak zu führen. Das sollte ein Staat nicht von seinen Staatsbürgern verlangen.
Lans, im Jänner 2011 Univ.-Prof.
Dr. Karl Socher
Die Meinung von Prof. Socher wurde unter dem Titel „Frage
der Neutralität“ in der TT am 24.1.2011 abgedruckt.