Sehr geehrter Herr Mag. Karas,
zufällig habe ich Ihren Auftritt im Fernsehen, mit anderen EU Parlamentariern
und Ihren Beitrag in "News" zeitgleich wahrgenommen. In mir kocht die Wut hoch!
Diese Wut nimmt mir den Atem. Nur die stoßweise herausgewürgten Satzfragmente
schaffen mir ein wenig Erleichterung über Ihre unerträglichen Äußerungen.
- Europa Anleihe: Da sollen die Österreicher - ohnedies mit Steuern bis ans
Unerträgliche belastet - für die Schulden anderer mitzahlen. Schulden, die
nicht wegen Katastrophen entstanden sind, sondern weil man es sich gut gehen
ließ. Unter den Augen von Brüssel, wo man sehr wohl wußte, wenn man wissen
wollte.
- Defizite des Lissabonvertrages: Warum haben Sie die Defizite nicht vor der
Ratifizierung angesprochen? Die waren ja offensichtlich. Warum haben Sie den
Vertrag so heiß befürwortet?
- Es fehlt der EU nicht an mangelnder Leadership, sondern an mangelnder
Legitmierung. Der Lissabonvertrag wurde an der Bevölkerung vorbei
geschwindelt, weil man sich, wie überall, bei den wirklich wichtigen
Entscheidungen um eine Einbindung der Bürger herumgeschwindelt hat
(Volksabstimmung).
- Ob die EU das erfolgreichste, politische Friedensprojekt ist, wird die
Zukunft zeigen. Man bastelt ja an einem gemeinsamen Heer und einem
Kriegsministerium (schamhaft Verteidigungsagentur genannt) - battle troups
usw. Sie wollen ja auch Österreichs Neutralität aufgeben. Keine besonderes
Anzeichen von Friedensbemühung.
- EU als "politische Union": Warum sprechen Sie so verklausuliert. Sagen Sie
doch gleich: EU als Zentralstaat mit der Kommandozentrale in Brüssel (das
Organsationsschema müßte in den Archiven der ehemaligen Sowjetunion noch
auffindbar sein).
- Subsidarität a la EU: 80% der Gesetze werden in Brüssel gemacht. Krümmung
der Bananen, Marmelade versus Konfitüre, Durchmesser der Pizza,
Ausschnittgröße der Dekolletés von Kellnerinnen ecc. bis in die Unendlichkeit
fortsetzbare Aufzählung von "wichtigen" Agenden, die Brüssel zentral regelt.
Abgesehen von den wirklich bedeutenden Fragen, wie wir unseren
Durchzugsverkehr und unsere Umwelt behandeln.
- Demokratie a la EU: Alle 5 Jahre ein zwar formal aber moralisch nicht
legitimiertes Parlament wählen (Lissabonvertrag ohne Volksabstimmung). 50% der
Bürger gehen aus diesem Grund nicht zur Wahl. Sie haben keine Lust ein
aufgezwungenes Parlament durch Wahlbeteiligung indirekt zu legitimieren. Die
EU Funktionäre aller Schichtungen (Parlament, Kommission und Beamtenapparat)
sind längst eine feudale Sondergruppe mit Höchsteinkünften und
Sonderprivilegien (eigene Steuern ecc.).Die Wahl der Bürger besteht letztlich
nur darin, welche Personen (grün, rot, schwarz oder blau) in den
Privilegienhimmel eintreten dürfen.
- Großmacht EU die in der Welt eine Rolle spielen soll: Als Beispiel
erinnere ich unter vielen anderen an die "Lissabonziele: 2010" . "Die EU wird
zu diesem Datum die wirtschaftsstärkste Region der Welt sein". Kommentar
überflüssig.
- Das EU Projekt ist ohne Alternative: Dann treten Sie als Politiker bitte
schnellstens ab. Sie können sich scheinbar gar nicht vorstellen, wie viele
bessere Alternativen es zur Brüssel EU gibt. So ähnlich war die Argumentation
auch vor der Besetzung Österreichs durch die Nazis ("Österreich ist allein
nicht lebensfähig!").
- Finanz- und sonstige Krisen: Die Finanzkrise wurde in dieser mächtigen
Form erst durch die ungebremste Liberalisierung der EU möglich. Hier verdrehen
Sie die Ursachen.
- Wertegemeinschaft EU: Da scheut sich die EU die Möglichkeit einer
transzendalen Verantwortlichkeit (Gott) in die Verfassung aufzunehmen. Man
verhindert jede direkte Mitbestimmung der Bürger - Volksabstimmung - und
überdeckt mit dem wirkungslosen Instrument des "Volksbegehrens", daß man über
die Köpfe der Menschen hinweg, ungestört regieren will. Das wären
grundsätzliche Werte, auf deren Basis erst über andere Werte diskutiert werden
kann.
Die Aufzählungen solcher grundsätzlicher Konstruktionsfehler ist bei weitem
nicht vollständig. Sie werden weiter Ihre "alternativlose EU" predigen. Ich
hoffe nur, daß eines Tages, so wie jetzt in Ägypten und Tunesien, die Wut der
von der EU entmündigten Bürger diese Pseudekonstruktion einer demokratischen
Ordnung hinwegfegen wird. Ing. Heinz Schreiber, Kärnten - 2.Februar 2011
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