Erfahrung/Ideen; 18 Jahre Träume


home

Was habe ich geschafft, was habe ich verstanden, was habe ich gelernt, wann habe ich geweint - mein Leben auf ein Blatt Papier (oder mehrere), da diese Blätter hundert tausende sind; worüber habe ich geträumt, wen liebe ich, ja ich?

Ich heiße Dimitar Dimitrov, bin achtzehn Jahre alt, ich lebe in Stara Zagora, Bulgarien und ich gehe ans Fremdsprachengymnasium "Romain Rolland" für mein fünftes und letztes Schuljahr. Ich lerne Deutsch seit fünf Jahren und bin ein Teil unserer Leistungsklasse.

Ich will alles wissen, immer lernen, das heißt frei sein (diese ist die wahre Freiheit - man hat bloß keine Grenzen, allmächtig - nein, ich bin nur ein Mensch). Pech hast du meine Junge, sie sagen, wir leben nicht im 17. Jahrhundert; Wir wissen viel zu viel. Sie wissen eigentlich gar nichts, Sie sind zu alt, zu verknöchert. Wir haben neue Ideale.

Achtzehn Jahre habe ich geträumt, ich träume weiter, da meine Träume noch nicht Wahrheit sind. Was will ich schaffen? Ich will ein Forscher sein. Das will ich seit ich vierzehn bin. Na ja, vierzehn? Ich wollte früher ein Flieger sein, ein Kosmonaut. Ach Schicksal. Für mich ist die Wissenschaft geeignet.

Die Wahrheit habe ich auch gesucht. Und achtzehn Jahre lang habe ich nur den Menschen gefunden, nichts anders, nicht die Wahrheit, sondern den subjektiven Menschen. Diese Suche habe ich aber nie aufgegeben.

Im Kindergarten war ich nur sehr kurz. Ich habe bis zur Schule auf dem Lande mit meinen Großeltern gelebt. Dort habe ich viel gelernt: Verantwortung übernehmen, pünktlich und entschlossen sein, Geduld haben. Ich liebte malen. Ich habe auch hunderte Bilder von Autos, Lastkraftwagen, Schiffe und Raketen gemalt.

In der Schule interessierte ich mich für Mathematik, Physik, Biologie. Jetzt als ich mich daran erinnere, habe ich bis zur siebten Klasse nur gelernt. Nichts anders, die Schule war meine Welt. Das hat mir eigentlich auch gefallen. In der siebten Klasse nahm ich an die Olympiade für Biologie teil und ich war am ersten Platz im Stara Zagora Bezirk und beim Nationalolympiade am drei und zwanzigsten Platz.

Ich konnte kein Deutsch bevor ich am Gymnasium "Romain Rolland" in Stara Zagora aufgenommen wurde. Ich habe die deutsche Sprache gewählt, weil ich die Herausforderungen mag und eine zweite Fremdsprache, außer Englisch gut lernen wollte. In der achten Klasse begann ich auch kleine Literaturwerke zu schreiben. Außerdem interessierte ich mich noch stärker für Mathe, Computer, Programmierung und etwas neues, in der neunten Klasse - Psychologie und Philsophie. Ich wollte einfach die anderen Menschen verstehen und ich habe viel darüber gelesen.

Ich habe zwei Hobbys. Die Computer und die Bücher. Ich mag lesen und ich mag Programme schreiben. Zunächst natürlich kleine, aber ich will dieses Hobby von mir in meinem Beruf verwandeln.   

Ich liebe es zu schreiben. Ich fühle mich wohl, wenn ich schreibe, wenn ich meine Gedanken auf dem Papier oder auf dem Monitor sehe. Dort kann man mein reines Ich erkennen und es entziffern. Meine Gedanken sind eigentlich nicht an allen Leuten gerichtet. Ich schreibe für diese Menschen, die mich gleich verstehen können, da sie sich in diesem Fall auch besser fühlen. Sie haben entdeckt, dass sie eine ähnliche Seele haben wie meine.

Ende der neunten Klasse hatte ich mich schon entschieden, dass ich Informatik studieren will. Am Anfang der zehnte Klasse wusste ich, dass ich in Deutschland studieren will. In der zehnte Klasse wurde ich ausgewählt, zusammen mit noch einem Schuler, um das "Romain Rolland" Gymnasium bei dem ersten Wettbewerb für kreatives Schreiben in Bulgarien zu vertreten. Ich mag Science-Fiction-Literatur und ich habe eine kurze Erzählung in diesem Literaturstil geschrieben.

Ich will ein Informatiker sein, ein Programmierer. Das will ich, seitdem ich einen Rechner habe. Zuerst hatte ich kein Internet, na klar. Die Maschine aber war für mich ein Wunder, eine Magie. Ich wollte schon dann Zauberer werden. Ich habe sie als niemand anders so gut verstanden. Für mich ist sie ein Zusatz, der meine Weltanschauungen erweitert.  Der Rechner selbst ist aber nur ein Objekt. Das Internet ist das, was aus dieser Maschine ein Medium schafft.

In mein Gehirn kann ich mir alle Prozesse, die in dem Computer ausgeführt werden, vorstellen. Es ist sehr romantisch. Der Strom fließt in die Hauptplatine, in die Festplate, durch den Leiterplaten in die Videokarte. Das ist doch ein Wunder, ist das auch keine Mythologie.  Das ist für mich eine ideale Welt, wo es Ordnung gibt und alles einen Zweck erfüllt: mir Hilfe zu leisten. Ein Softwareprogramm ist wie ein Liebesbrief, ein intimes Gespräch zwichen dem Programmierer und der Hardware. Die Maschine ist weder tod, noch dumm. Sie hat ihr eigenes Leben.

Ich will eine perfekte künstliche Intelligenz schaffen. Die ist keine Illusion. Sogar das Thema der Dokumappe unserer Gruppe heißt "Künstliche Intelligenz, Robotik und Maschinenbau". Mein Teilaspekt ist natürlich die künstliche Intelligenz. Was ich für ein Jahr, in dem ich mich mit diesem Thema beschaftigt habe, gelernt habe ist, dass man mehr in diesem Gebiet forschen soll.

Warum denn in Deutschland studieren? Wiel ich ein echter Programmierer werden will. Weil in Bulgarien die materiellen Voraussetzungen, wie auch alle anderen, fehlen. Ich will in Deutschland studieren, weil dort ich bestimmt viele verschiedene Menschen aus aller Welt kennen lernen werde. Weil ich die bulgarischen Universitäten schon gesehen habe und mir nichts gefallen hat. Weil ich Deutschland wirklich kennen lernen will. Weil sich in Deutschland die größten und besten Forschungszentren über die künstliche Intelligenz befinden.

14.12.02008 

Copyright ©2008 mitakas