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Schlüsselwortmethode: Richtig Vokabeln lernen mit Hilfe von Merktechniken

Endlose Listen mit fremden Wörtern in einer fremden Sprache sind wie ein gemeiner, kleiner Geist, der jeden Tag von neuem auf den Schultern der Schüler sitzt und ärgert. Schlimmer noch, wer ein paar Wochen das Lernen unterbricht und sich ein hoher Berg von Vokabeln auftürmt, zu dem vom Lehrer täglich neue Lektionen hinzugefügt werden. Und obendrein sind Vokabeln zwar zahlreich und immer anders, das Lernen dieser jedoch immer gleich, langweilig und öde.

Und auch beim Erlernen einer Fremdsprache ist die größte Hürde und gleichzeitig die größte Mühe für viele Erwachsene immer wieder das Büffeln der Wörter. Wobei es andererseits gar nicht so schlimm ist, weil in den meisten Sprachen der Grundwortschatz nur aus wenigen hundert Wörtern besteht, aber das ist ein anderes Thema…

Falsch Vokabeln lernen

Pädagogische Hilfe wird kaum geboten. Die modernste Erfindung der Sprachlehrer ist die so genannte Lernkartei, eine simple Hartschale, in die jedes Fremdwort als Karte eingeschoben wird. Was da schrillbunt im Buch- und Schreibwarenhandel angeboten wird, ist aber nichts anderes als das übliche Wiederholen – nur von ein paar Marketingexperten in erfolgversprechendes Plastik verpackt. Genauer gesagt: Die Lernkartei ist bereits in den 70er Jahren erfunden worden und somit alles andere als eine moderne Lernmethode oder gar pädagogisch wertvoll.

Zu den häufigsten Fehlern beim Lernen von Vokabeln gehören:

  • Ewiges Wiederholen.
  • Es wird ohne Spaß gebüffelt.
  • Lektionen werden immer von oben nach unten durchgelesen.
  • Es wird nur eine Übersetzungsrichtung gelernt (Fremdsprach à Übersetzung, aber nicht umgekehrt).

Vokabeln richtig und richtig gut lernen

Wie geht’s anders? Wie geht’s besser? Mein ganz einfacher Tipp, der vielleicht auf den ersten Blick so manche Stirn in Falten legt:

Lernen Sie jede Vokabel nur ein einziges Mal!

Klingt verrückt? Denken Sie aber bitte einmal eine Sekunde darüber nach, denn das hat durchaus seinen Reiz und ist mit Hilfe von Merktechniken tatsächlich machbar. Bleiben Sie so lange bei einem Wort und zwar nicht, bis Sie es „gelernt“ haben, sondern bis Sie eine gute und gehirngerechte „Übersetzung“ (oder Eselsbrücke) dafür gefunden haben.

Jedes Wort ein Ratespiel

Auf diese Weise wird jede Vokabel zu einem Rätsel, das gelöst werden will und für das es eine Merkhilfe gibt! Haben Sie so schon einmal Vokabeln gelernt? Hier sind die Grundsätze für erfolgreiches Merken von Vokabeln:

  • Jede Vokabel nur einmal (wie oben bereits beschrieben bleiben Sie so lange bei einem Wort, bis Sie die perfekte Lösung gefunden haben, was durchaus bis zu 15 Minuten dauern kann).
  • Für jede Vokabel eine Merkhilfe, ein Merkbild oder eine Eselsbrücke suchen (zum Beispiel mit Hilfe der Schlüsselwortmethode oder durch Verbildern).
  • In beide Übersetzungsrichtungen lernen (Fremdwort à Übersetzung und umgekehrt in die Merkhilfe einbauen).
  • Regelmäßig lernen (legen Sie Ihre Lernkarten an einen gut erreichbaren Platz und nehmen Sie sich bei jeder Gelegenheit eine Karte).
  • Das Merkbild bei der Abfrage erklären (zum Beispiel den Eltern oder einem Schulkameraden, denn das hilft, die Eselsbrücke besser zu machen und zu stabilisieren).

Die Schlüsselwortmethode

Eine effektive und wissenschaftlich untersuchte (und für gut befundene) Methode zum besseren Lernen von Vokabeln ist die so genannte Schlüsselwortmethode. Diese funktioniert allerdings nur in Sprachen, die einander ähnlich sein. Englisch und Französisch lassen sich hervorragend damit erlernen, Chinesisch oder Arabisch sind weniger geeignet.

Das Verfahren ist denkbar einfach: Man nimmt ein Wort, dass in der eigenen Sprache ähnlich klingt wie die Vokabel und macht daraus ein vorstellbares Bild. So wird zum Beispiel aus dem englischen „tan“ (übersetzt „Bräune“ oder „Hautfarbe“) das deutsche Wort „tarnen“. Zuletzt wird daraus das Bild gemacht: Ich liege so lange am Strand in der Sonne, bis meine Haut die gleiche Farbe angenommen hat, wie der Sand auf dem ich liege – ich quasi getarnt bin. Das Bild hat gleichzeitig den Vorteil, dass es beide Lernrichtungen enthält. Ich komme über „tan“ an die Übersetzung und umgekehrt.

Hier noch ein etwas verrückteres, aber durchaus funktionierendes Beispiel: „Chicken“ (Huhn) klingt wie „schicken“ und in Verbindung mit dem Produkt frittierter Hühnerteile aus einem beliebten Schnellrestaurant stellen wir uns vor, wie die „Schicken“ von der Bedienung in ein Paket verpackt und zu uns nach Hause geschickt werden. Das Bild stammt übrigens aus einem Witz, in dem die Bedienung einen nicht ganz hellen Kunden fragt: „Chicken?“ und er antwortet: „Nein, ich esse das hier.“

Hier noch einmal der genaue Ablauf der Schlüsselwortmethode:

  1. Für die Vokabel wird ein ähnlich klingendes Wort in der eigenen Sprache gesucht.
  2. Das ähnliche Wort und die Übersetzung werden miteinander verbunden.
  3. Ggf. werden Merkhilfen zur Schreibweise hinzugefügt. (Im Bespiel oben müsste „tarnen“ ohne „r“ oder auch das Schlüsselwort „Tanne“ ohne „ne“ gemerkt werden.

Was auf den ersten Blick komplizierter aussieht, als das übliche Lernen, erweist sich schnell als unschlagbar zuverlässige Methode zum Vokabellernen. Bei der Schlüsselwortmethode arbeiten Sie mit Bildern, die sich das Gehirn mit Abstand am besten merken kann. Außerdem werden Ihnen mit der Zeit immer schneller immer bessere Bilder einfallen und diese Vorgehensweise Ihr Lernen und vor allem Ihren Lernerfolg langfristig deutlich verbessern.