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Family-Camp 2010

Zitate

Ich ging 21 Jahre lang zur Schule und ich kann mich nicht erinnern, dass mich jemals jemand gefragt hätte wie ich mich fühle oder was ich brauche. Statt dessen lehrten sie mich Dinge wie „richtig“ und „falsch“, „gut“ und „schlecht“ um in ein System zu passen, das Menschen anhand dieser Standards bewertet. Ich empfehle das Projekt Giraffentraum® ErzieherInnen, LehrerInnen, Eltern und Kindern als einen Weg, um uns gegenseitig zu helfen, das eine zu tun, was wir alle am Liebsten tun:

Das Leben der Menschen zu bereichern!


Marshall B. Rosenberg

„Ich muss gar nix – ich kann mich entscheiden!
Und außerdem bin ich ein Mensch!“

Elia mit 3 1/2 Jahren

Wenn ich nur darf, wenn ich soll,

aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss!
Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
und dann kann ich auch, wenn ich muss!
Denn schließlich:
Die können sollen, müssen wollen dürfen.

 

Johannes Conrad, Schriftsteller und Philosoph

gewaltfreie kommunikation

Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

Den Prozess der „Nonviolent Communication“, also der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) begann Dr. Marshall Rosenberg im Jahre 1963 zu entwickeln. Dabei beeinflusste ihn auch seine Auseinandersetzung mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den frühen 1960ern. Seitdem hat er die „Gewaltfreie Kommunikation“ ständig verfeinert und weiterentwickelt. Um den wachsenden Trainingsbedarf abzudecken, gründete Dr. Rosenberg im Jahre 1984 das Center for Nonviolent Communication (CNVC), das sich seitdem zu einer internationalen Organisation entwickelt hat. Mittlerweile hat Dr. Marshall Rosenberg mit Unterstützung von derzeit weltweit ca. 250 zertifizierten Trainerinnen und Trainern die Gewaltfreie Kommunikation in über 65 Ländern weitergegeben.

Methodisch empfiehlt Marshall Rosenberg die 4 Schritte, um uns so auszudrücken, dass wir verstanden werden und dabei die Beziehung zueinander stärken: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte und er beschreibt 3 Prozesse, die diesem Zweck dienlich sind: Selbstempathie, Aufrichtigkeit und Empathie. Wesentlich dabei ist, dass es sich bei der Gewaltfreien Kommunikation nicht um eine Methode oder um ein Modell handelt, sondern vielmehr um eine Haltung, mit der wir mit uns und mit anderen Menschen umgehen wollen. Gewaltfreiheit beschreibt eine Haltung und Handlungen mit denen wir sowohl unsere Bedürfnisse, als auch die unseres Gegenübers, als auch die aller Menschen berücksichtigen wollen. Das Bedürfnis nach „Nahrung“ ist somit nicht gestillt, wenn ich oder meine Familie satt ist, sondern erst dann, wenn alle Menschen, alle Lebewesen, genügend zu Essen haben. Darin zeigt sich die Haltung und das Menschenbild der Gewaltfreien Kommunikation: Wir sind alle eins, haben die gleichen Bedürfnisse und werden getragen und sind Ausdruck der gleichen allumfassenden Energie. Darin sind wir verbunden und dadurch ist es uns auch möglich, uns empathisch zu verbinden, uns zu verstehen. Es geht nicht um ein Gegeneinander, sondern um ein Miteinander; nicht um Macht über andere, sondern um die Kraft, im Miteinander etwas zu gestalten. Es geht nicht um „gewinnen“ oder „verlieren“, sondern um ein Leben in Gemeinschaft und Respekt vor Mensch und Natur und gegenseitiger Wertschätzung. Letztendlich zielt auch die Gewaltfreie Kommunikation auf die „Goldene Regel“ des Zusammenlebens ab: Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso.

Gewaltfreie Kommunikation beschreibt dabei den Weg, wie wir miteinander in Kontakt kommen als Mittel zum Verständnis. Sie schließt jede Art mit ein, die diesem Zweck dient, sei sie verbal, nonverbal oder abseits jeglicher Verbalität. Gewaltfreie Kommunikation braucht sich somit nicht in den 4 Schritten auszudrücken. Oft öffnet ein Lächeln oder Musik oder ein Bild mehr Herzen als viele Worte. Die Methodik der 4 Schritte ist lediglich ein Hilfsmittel, Handwerkszeug, mit denen wir lernen können uns auszudrücken.

Der Begriff Gewaltfreie Kommunikation stößt immer wieder auf Ablehnung und Kritik, dass er zu implizieren scheint, dass wir alle „gewalttätig“ seien. Leider steht „gewaltfrei“ auch im direkten Widerspruch zu dem, was die Gewaltfreie Kommunikation lehrt, nämlich zu benennen, was wir wollen, anstatt zu sagen, was wir nicht wollen. Aus diesem Grund bezeichnet Marshall Rosenberg die Art, sich in dieser Weise auszudrücken, lieber als „eine lebensbereichernde Sprache“, „eine Sprache des Herzens“ oder „Giraffensprache“. Wie das aber bei vielen Dingen so ist, bleibt auch hier der Name bestehen, der ursprünglich gefunden wurde, eben Gewaltfreie Kommunikation. Der Begriff ist inzwischen durch die Vielzahl der Buchveröffentlichungen weltweit etabliert und bekannt.

 

Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation 

Aufzählung

  Die Intention der Gewaltfreien Kommunikation liegt darin, sich zu verbinden und die Beziehung zu stärken. Empathie beschreibt dabei die Präsenz, in der wir verbunden sind, d.h.: „Ich bin jetzt da und bereit, alles zu hören, was dich bewegt, was in Dir lebendig ist. Ich bin bereit, all Deine Gefühle und Bedürfnisse zu hören, auch wenn sie sich hinter anderen Worten verstecken.“

Aufzählung

  Alle Menschen haben im Grunde die gleichen Bedürfnisse. Dabei besteht eines unserer wichtigsten Bedürfnisse darin, zum Wohlergehen anderer beizutragen.

Aufzählung

  Gewalt und Konflikte entstehen auf der Ebene der Strategien, das heißt der Art, wie wir unsere Bedürfnisse erfüllen wollen. Z.B. indem wir uns gegenüber anderen durchsetzen oder etwas über uns ergehen lassen. Unsere Bedürfnisse zu kennen, die eigenen und die des anderen, erleichtert uns, Wege im Konsens oder zumindest einen Verhandlungsspielraum mit anderen zu finden.

Aufzählung

  „Richtig und falsch“, „gut“ und „böse“, „Du oder ich”, „entweder, oder“ sind Ausdruck eines Bewertungssystems, dessen Grundannahme darin besteht, dass Ressourcen rar sind und nicht genug für alle da ist. Eine lebensdienliche Kultur geht davon aus, dass die Bedürfnisse aller zur selben Zeit gestillt werden können und sieht den Reichtum.

Aufzählung

   Bewertungen sind lebensnotwendig und lebensdienlich, wenn sie sich an unseren Bedürfnissen orientieren. Bsp.: „Wenn Du Dir die Ohren zuhältst, während ich mit Dir rede, mache ich mir Sorgen, weil mir wichtig ist, dass jeder gehört wird.“ In diesem Fall bewerte ich den Auslöser „Ohren zuhalten“ als nicht hilfreich um mein Bedürfnis danach „gehört zu werden“ erfüllt zu bekommen. Meine Absicht dahinter lautet, dass ich mich mit dem anderen verbinden möchte. Bewertungen, die uns voneinander trennen sind Zuschreibungen des Verhaltens auf die andere Person und Verallgemeinerungen. „Wenn Du Dir die Ohren zuhältst, während ich mit Dir rede, bist Du unhöflich und genauso ein Trotzkopf, wie alle Kinder in Deinem Alter.“

Aufzählung

  Was auch immer wir tun, es ist das Schönste und Beste, das uns im Moment zur Verfügung steht, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Jedem Verhalten liegt die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse zugrunde – nicht die Einschränkung von Bedürfnissen anderer. Wann auch immer es zu Einschränkungen kommt, können wir uns auf die Suche machen, nach alternativen Wegen, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen – um unser Repertoire zu erweitern.

Aufzählung

  Jeder ist für seine Gefühle selbst verantwortlich, da die Ursache in unseren Bedürfnissen selbst liegt. Das Verhalten des Anderen kann nur Auslöser sein. Wir alle sind aber verantwortlich dafür, wie wir aufeinander zugehen, mit welcher Absicht dies geschieht und wie wir mit der Reaktion des anderen umgehen.

© Frank Gaschler 2007