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Hinweis!
Wenn Sie sich für die Bewertungsproblematik des Offenen Unterrichts interessieren, sollten Sie undedingt unseren Artikel in der Zeitschrift SEMINAR 3/1997 des Bundesarbeitskreises der Seminar- und Fachleiter (BAK) lesen.
Wolgang Klier, Eberhard Schwenk et al.: Zur Problematik der Beurteilung offener Unterrichtsformen im Rahmen von Lehramtsprüfungen S. 179-186
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Offener Unterricht (OU)
Weil die Öffnung des Unterrichts vor keinem Fach Halt macht, erfolgen hier Informationen zum Thema, die in der Vergangenheit stark nachgefragt waren.
Textversion 08.03.2011
*****Die Offenheit des OU setzt zunächst eine Öffnung im Kopf des Lehrers voraus!*****
Diesen Leitsatz gebe ich meinen Referendaren und meinen Berufseinsteigern mit auf den Weg.
Definition Offener Unterricht ist ein Sammelbegriff (ich spreche gern von einem Suchbegriff) für unterschiedliche Reformansätze in vielfältigen Formen inhaltlicher, methodischer und organisatorischer Öffnung mit der Intention eines veränderten Umgangs mit dem Kind auf der Grundlage eines veränderten Lernbegriffs.
Gründe für einen offenen Unterricht 1. Kinder leben heute in veränderten sozialen Strukturen. 2. Kinder leben heute in einer Medienwelt bzw. in einer mediatisierten Welt.. 3. Kinder entwickeln zunehmend unterschiedliche "Kindheitsmuster" und vielfach scheint es gar keine Kindheit
mehr zu geben.
4. Es ist notwendig sowohl differenzierende wie individualisierende Lernformen für unterschiedliche Lerntypen
und Lernvoraussetzungen anzubieten.
Was ist offener Unterricht?
These 1: Kinder erleben Kinder wollen als Lerner, Entdecker, Forscher ernst genommen werden: Deshalb Fragen der Kinder unterstützen. Eine deutliche Hinwendung zum Individuum konzentriert sich auf die Veränderungen und Entwicklungen des einzelnen Kindes und lebt vom Vertrauen in sein Handeln. Der Erwachsene muss Sinnstifter, Anreger, Berater, kritischer (Freund) Begleiter sein.
These 2: Unterricht öffnen Öffnung nach außen : Außerschulische Lernorte wie die Tankstelle, den Bäcker, die Gärtnerei einbauen. Lernanlässe aufgreifen und Lernorte aufsuchen. Lernen und leben als ganzheitliche Erfahrung ermöglichen. Verlust sinnlich ‑ praktischer Erfahrungen durch den Aufbau von anregungsreichen Lernumwelten mit Werkstattprinzipien ausgleichen (z.B. Methode Lernwerkstatt). Öffnung in der inhaltlichen, methodischen und organisatorischen Dimension des Unterrichts - Aber bitte: Strukturierte Offenheit
These 3: Lernen lernen Wenn das Kind seine Lebensumwelt in dem zu Lernenden wiederfindet, wenn es mit allen Sinnen handelnd etwas für sich selbst entdeckt, dann erfolgt die notwendige aktive Ausbildung eigener Sinn‑ und Erkenntnisstrukturen als Aufbau von dynamischen Denksystemen, denn effektives Lernen ist selbstbestimmt, aktiv und konstruktiv. Lernen ist fortlaufend und hat eine Geschichte. Lernen ist sozial bedingt und sozial bedeutsames Lernen vollzieht sich ganzheitlich. Lernen ist auch immer zweckgerichtet, wobei nur das freie kindliche Spiel zweckfrei ist, was bedeutet, dass sogar spielerisches Lernen zweckgerichtet ist.
These 4: Tradition verändern Traditionen in der Schule verändern sich dann, wenn die Lehrer und die Schule selbst offen sind für Veränderungen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld. In folgenden Bereichen sind Veränderungen in der Schultradition erfolgt, oder sind noch zu entwickeln: Eigenständigkeit des Kindes Rolle der Erwachsenen (Autorität) Weg des Lernens (Lernen des Lernens) Alltagsroutine pädagogischen Handelns (Methode)
Charakteristische Merkmale:
Lernumwelt: Klasse mit Werkstattcharakter, offene Lernflächen und Lernzonen, Leseecke, Karteiregale, Forschertische, Pflanzen, Spielecke, Sammlungen, Bastelecke, Pinnwand, Fördermaterialien, .... Lernorganisation: Freie Arbeit und flexible Tages‑ Wochenpläne, Projekte, individuelle Zeiteinteilung, wenig Frontalphasen, Lernberatung, Morgenkreis, Abschlusskreis, Klassenrat, Präsentationen, Berichte, Lerntagebücher, Portfolioarbeit, Dritte (Einbeziehung von externen Spezialisten)... Lernmethoden: Vielfältige Formen entdeckenden, praktischen Lernens, Freiheit bei individueller Arbeit, Selbstkontrolle, Möglichkeiten für Experimente und sinnliche Erfahrungen mit Materialien, flexible Lerngruppen an unterschiedlichen Problemstellungen, kreative Lernmethoden, ...... Lernatmosphäre: Deutliche Akzeptanz der Kinder als Lerner mit individuellen Lernvoraussetzungen ( Umgang mit Diversität), Förderorientierung, Atmosphäre des Vertrauens und gegenseitiger Offenheit, klare Abmachungen (Regeln, Verträge), Beratung, Wertschätzung, keine Ausgrenzungen, .... Lerntätigkeiten: Kinder arbeiten praktisch, stellen etwas her, untersuchen, entscheiden über Inhalte, stimmen gemeinsame Vorhaben ab, experimentieren, beschaffen sich Informationen, schreiben frei Texte, setzen, drucken, erzählen, dokumentieren, präsentieren besprechen Konflikte, erarbeiten Regeln, tanzen, spielen, rechnen, erfinden Spiele, sammeln, ordnen, beobachten, malen, diktieren sich,... Lernergebnisse: Geschichten, Gedichte, Wandzeichnungen, Bilder, Spiele, Pläne, Tabellen und Übersichten, Ausstellungen, Sammlungen, Theaterstücke, Lieder, Karteien, Objekte, Berichte, eigene Sachbücher und Werkprodukte, Briefe,..
Folgende Elemente bestimmen in der Regel die Unterrichtswirklichkeit der offenen Schulen.
1) Grundformen: Stuhlkreis, Freie Arbeit, Wochenplanarbeit, lehrerzentrierte Phasen, Projekte.
2) Eine Betonung der aktiven Rolle des Kindes im Lernprozess (Selbsttätigkeit) mit Formen entdeckenden und handlungsorientierten Lernens.
3) Eine ausgeprägte Sprach ‑ und Schriftkultur.
4) Eine individuell orientierte Förderung und gezielte Lernberatung
5) Klare Erziehungsvorstellungen, Betonung der Gemeinschaft, Helfersysteme
6) Zum praktischen Lernen auffordernde Materialien in einer Lernlandschaft mit versch. Lernprozessen.
7) Öffnung der Schule zum Stadtteil, zum Dorf, erste Formen einer Nachbarschaftsschule.
Der Stuhlkreis Gesprächskreis, der als echte offene Lernsituation die Möglichkeit schafft, gemeinschaftliche und individuelle Erfahrungen aufeinander zu beziehen. ‑ Kinder erzählen, können sich sprachlich entfalten ‑ Besprechung von Konflikten ‑ Entwicklung von Ritualen und Regeln ‑ Planung und Auswertung der Arbeit
Die Freie Arbeit In dem Spannungsfeld von freien und verbindlichen Aufgaben, von selbst‑ und fremdgesteuertem Tun, von offenem und vorstrukturiertem Lernen entwickelt sich die für den Offenen Unterricht entscheidende persönliche Verantwortlichkeit des Lerners für seine Arbeit.
Der Wochenplan Jedes Kind hat einen schriftlichen Plan auf dem zumeist in tabellarischer Form die Lernmöglichkeiten des Tages oder der Woche für die verschiedenen Lernbereiche und Fächer angegeben sind. Wochenplan‑ Unterricht darf man nicht einfach mit Offenem Unterricht gleichsetzen. Ein Wochenplan enthält in der Regel Pflichtaufgaben, Hinweise auf frei wählbare Lernaktivitäten, Anregungen, neue Angebote, Materialien und Ideen für die Tätigkeit bei Klassenvorhaben und Projekten.
Die Projekte · Projekte helfen, soziale regeln des Miteinander‑ Lernens zwischen dem einzelnen und der Gruppe zu entwickeln. · Sie erlauben Kindern durch die Fülle der praktischen Möglichkeiten, individuellen Neigungen und Interessen zu folgen. · Sie führen zu neuen, häufig in Lehrplänen nicht enthaltenen Erkenntnissen und Wissenszusammenhängen. · Sie fördern die Fähigkeit, auch andere als die eigenen Perspektiven, Erfahrungen und Meinungen zu einem Lerngegenstand zu akzeptieren. · Sie fordern aktives Lernen heraus und ermutigen zur Selbstgestaltung der Arbeit.
Der Klassenraum Als Lernumwelten und Lernlandschaften erfüllen die Klassenräume in der Regel drei Hauptfunktionen: · Aufgliederung in Lernzonen und Lernflächen => zahlreiche Lernaktivitäten möglich (Leseecke, Druckbereich, Experimentiertisch,...) · Aufteilung in Arbeitsplätze, Funktionszonen und Kreis => individuelle und gemeinschaftliche Aktionsformen können im schnellen Wechsel organisiert werden (Morgenkreis, Freie Arbeit,...) · Charakter einer Werkstatt => pädagogische Konzept, das offen ist für eine Weiterentwicklung und Veränderung durch die Kinder selbst.
Die Arbeitsmittel Karteien (Individualkarteien sind allerdings wertvoller als Klassenkarteien) sind vielfach ein dominierendes Arbeitsmittel im O.U., weil sie jederzeit einen individuellen Zugriff auf einen Themenbereich erlauben und als offenes System leicht zu verändern sind. Für den O.U. sind selbsthergestellte Mittel die wachsen können, besonders funktional.
Zu den möglichen Lernschwierigkeiten
Antreiberverhalten: Keine Zeit haben bzw. geben, keine Zeit für notwendige Wiederholungen => Lernstörungen im Bereich der Konzentration, der Selbständigkeit, der Motivation Rivalisierendes Verhalten: andere, ähnliche Lösungen nicht ertragen können; nicht ertragen
können, dass andere auch auf die Lösung kommen => entmutigt Lerner und wertet problemlösendes Verhalten ab..
Belohnungsverhalten: Lernen klappt nur, wenn Belohnungen ausgehandelt wurden. => fremdgesteuerte Lern Motivation, Lernen nur als Zweck, um Anerkennung zu erhalten.
Einschärfungen: Heimliche Botschaften, die lernbehindernd sind: Fehler sind schlimm. Halte dich zurück, bis andere vor dir die Aufgabe gelöst haben. Nimm dir ein Beispiel an ... .
Hilfen zum Lernen bei Problemen in der Klasse • Möglichst wenige, sorgfältig überlegte Regeln aufstellen (Weniger ist mehr!) • Auf Einhaltung bestimmter Regeln bestehen • Bei Regelüberschreitungen vorwarnen • Wutanfälle bewusst ignorieren, Publikum nehmen (s. R.Dreikurs) • Positives Verhalten verstärken, Erfolgserlebnisse vermitteln (Selbstkonzept verändern) • Konsequent Leistung verlangen (fordern und fördern) • Problembewältigung den Kindern zutrauen • Kommunikative Verhaltensweisen einüben (Basis für Streitschlichtung!) • Bewegungsdrang kanalisieren, beruhigende, entspannende Phasen einbauen (Rhythmisierung) • Ein gemeinsames Erziehungskonzept mit den Eltern erarbeiten • Als Erwachsener ein gutes Beispiel geben (orbildwirkung) • Suchen Sie nicht nach Schuldigen für das Lernproblem, sondern fragen Sie sich, was Sie tun können, um diesem Kind zu helfen, seine Probleme selbst zu lösen. (Hilfe zur Selbsthilfe!)
So wenig Belehrung wie nötig, so viel Erfahrung wie möglich! Lernleistung und Lernkultur im O.U. sind abhängig von · der Art und den Inhalten der individuellen und gemeinsamen Arbeit in der Klasse · der Organisation der Arbeit in der Klasse (sinnvolle Mischung gemeinsamer und individueller Lernsituationen, klare Strukturen, Rituale...) · der Aufteilung von Verantwortlichkeiten für die Lernprozesse (Eigenverantwortung des Kindes, Lernüberprüfung,...)
Vier Perspektiven bestimmen diese Lernvorstellung:
1. Die fundamentale Annahme: Das Lernen des Lernens ist die wichtigste Aufgabe des O.U.
2. Die Grundfrage des O.U.: Wie können Kinder das Lernen des Lernens lernen?
3. Das Grundprinzip offenen Lernens: Lernen ist ein aktiver Prozess. (gemäßigter Konstruktivismus)
4. Die Grundlagen der Umsetzung: Ein freisetzender und erziehender Unterricht.
Kinder lernen durch Probieren (Versuch und Irrtum), durch kreatives Weiterentwickeln von Hypothesen und Entwürfen (Philosophische Gespräche), über das Durchspielen verschiedener Problemlösungen (Entdeckendes Lernen). „Alles was man dem Kind beibringt, kann es nicht mehr selber erfinden oder entdecken."(Piaget) Lernen ist allerdings von der inneren Einstellung, der intrinsischen Motivation, des Kindes zum Lerngegenstand abhängig. Offenes Lernen muss deshalb die unterschiedlichen Schichten der Person ansprechen und sollte eher einer ganzheitlichen Vorstellung vom Kind als kreativem und erfinderischem Wesen folgen: Durch unmittelbar bewegende Lernangebote, durch konkrete, „begreifbare" Lerngegenstände, durch intensives Erleben.
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Voraussetzung für eine erfolgreiche Öffnung des Unterrichts ist ein konsequentes Methodentraining mit den Schülerinnen und Schülern. Dazu benötigt die Schule ein ausgefeiltes Methodencurriculum und das mit Abstand beste Fundstück meiner umfangreichen Internetrecherche stammt von der Rappenbaumschule in Böblingen-Dagersheim. |