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Dokumentation des ORF zum „Mordschloss“ Hartheim bei Linz http://sciencev1.orf.at/news/29483.html
Auszug: „Im Oktober 1940 zeigte ein Vater den mysteriösen Tod seines Sohnes in Hartheim bei der Staatsanwaltschaft an. Er hatte den Verdacht, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen könne. Den Behörden in Oberdonau schien die Sache zu brisant. Statt zu ermitteln, baten sie den vorgesetzten Generalstaatsanwalt in Linz, Ferdinand Eypeltauer, das Verfahren einzustellen.
Doch Eypeltauer entschied anders. Er ordnete an, den verantwortlichen Arzt im Schloss auszuforschen und als Beschuldigten vernehmen zu lassen. Eine einzigartige Situation: Eypeltauer war selbst NSDAP-Mitglied, und doch der einzige österreichische Justizbeamte, der gegen die Verbrechen des Regimes ermittelte.
Eypeltauer war der Ansicht: Recht muss Recht bleiben, ein Todesfall, der ungeklärt ist, muss aufgeklärt werden. Fast ein Jahr lang betrieb der Generalstaatsanwalt die Erhebungen. Weil diese in Hartheim behindert wurden, berichtete er sogar direkt an den Reichsjustizminister.
Die höchsten Stellen in Berlin waren in Aufregung: Eypeltauers Arbeit konnte die gesamte Vernichtungsaktion auffliegen lassen.
Im September 1941 erhielt Eypeltauer die Order, das Verfahren einzustellen. Er fügte sich, zog aber daraus persönliche Konsequenzen und legte sein Amt zurück.
Ein Vernichtungslager mitten im Ort Hartheim war die einzige Vernichtungsanstalt , die mitten in einem Ort lag. Niemand konnte wegsehen. Das führte zu Verdrängung, Kollaboration, aber auch zu Widerstand.
Karl Schuhmann, dessen Familie direkt neben dem Schloss wohnt, kam als einer der ersten Hartheimer dem Vernichtungsbetrieb auf die Spur. Schuhmann handelte schnell: zunächst versuchte der Hobbyfotograf das Geschehen zu dokumentieren.
Trotz der Einschüchterungen durch das Schlosspersonals gelangen ihm immer wieder Fotos vom Schloss. Eines zeigt den Rauch der verbrannten Leichen. Es ist ein einzigartiges historisches Dokument.
Schuhmann fiel damals nicht als politischer Mensch auf. Er war kein Oppositioneller im herkömmlichen Sinn. Schuhmann leistete sogar seinen Dienst bei der Wehrmacht ohne Murren ab.
Doch Schuhmann war auch praktizierender Christ, kam aus einer tiefgläubigen Familie. Er empfand es als moralische Verpflichtung, etwas gegen den Massenmord in Hartheim zu tun. Als er von seinem Wehrmachtseinsatz in Stalingrad zurückkam, schloss er sich einer Widerstandsgruppe an.
Die kleine Gruppe, angeführt vom Eisenbahner Leopold Hilgarth und Schuhmanns Bruder Ignaz, verfasste Flugblätter und verteilte sie unter der Bevölkerung. Die vier Leute, die völlig alleine operierten und hinter denen keine Organisation stand, wollten die Hartheimer gegen die Verbrechen des Regimes zu mobilisieren.
Im Jahr 1944 flog die Gruppe auf. Der Anführer Hilgarth und Schuhmanns Bruder wurden hingerichtet. Schuhmann selbst kam als hochdekorierter Stalingradveteran mit einer Gefängnisstrafe davon.
Weder die Widerstandsgruppe noch Generalstaatsanwalt Ferdinand Eypeltauer konnten letztendlich den Massenmord in Hartheim stoppen. Doch durch ihre Aktionen haben sie ein Zeichen der Zivilcourage gesetzt in einem Klima von Angst und Verdrängung.
Tom Matzek/Modern Times“ |