"Euthanasie"-Predigten

Erst im Jahre 1941 wurde die „Euthanasie“ von der Kirche schließlich öffentlich von der Kanzel gebrandmarkt:

 

Auszüge "Euthanasie"-Predigt des katholischen Bischofs von Galen in Münster, 3. August 1941, St. Lamberti Münster

 

 „[...] Seit einigen Monaten hören wir Berichte, dass aus Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke auf Anordnung von Berlin Pfleglinge, die schon länger krank sind und vielleicht unheilbar erscheinen, zwangsweise abgeführt werden. Regelmäßig erhalten dann die Angehörigen nach kurzer Zeit die Mitteilung, der Kranke sei verstorben, die Leiche sei verbrannt, die Asche könne abgeliefert werden. Allgemein herrscht der an Sicherheit grenzende Verdacht, dass die zahlreichen Todesfälle von Geisteskranken nicht von selbst eintreten, sondern absichtlich herbeigeführt werden, dass man dabei jener Lehre folgt, die behauptet, man dürfe sogar lebensunwertes Leben vernichten, also unschuldige Menschen töten, wenn man meint, ihr Leben sei für Volk und Staat nichts mehr wert. Eine furchtbare Lehre, die die Ermordung Unschuldiger rechtfertigen will, die die gewaltsame Tötung der nicht mehr arbeitsfähigen Invaliden, Krüppel, unheilbaren Kranken, Altersschwachen grundsätzlich freigibt [...]“

 

"[...]Wenn einmal zugegeben wird, dass Menschen das Recht haben, 'unproduktive' Mitmenschen zu töten – und wenn es jetzt auch nur arme, wehrlose Geisteskranke trifft –, dann ist grundsätzlich der Mord an allen unproduktiven Menschen, also an den unheilbar Kranken, den arbeitsunfähigen Krüppeln, den Invaliden der Arbeit und des Krieges, dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach und damit unproduktiv werden, freigegeben. [...]"

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_August_Graf_von_Galen

 

Aufgrund dieser mutigen Predigt des „Löwen von Münster“ und der sich daraufhin verbreitenden Unruhe in der Bevölkerung (die Predigt wurde geheim auf Flugblätter gedruckt und verteilt) wurden die Vergasungen in den „Euthanasie“-Anstalten bereits am 24. August 1941, also nur 3 Wochen nach der Predigt (!), auf Befehl Hitlers mit sofortiger Wirkung eingestellt.

 

Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt schon über 70.000 Menschen mit Behinderungen ermordet worden.

 

Am 2. November 1941 predigte der Berliner Bischof und spätere Kardinal Konrad Bischo Graf von Preysing in schrecklicher Vorausahnung:

 

„Wehe uns, wenn das ewige Sittengesetz durch Nützlichkeitserwägungen abgeändert […] wird, dann gibt es kein Halten mehr auf dieser abschüssigen Bahn.“

 

Hiermit prägte er den Begriff von der „abschüssigen Bahn“, der „schiefen Ebene“, auf die man sich bewegt, und auf der es letztlich kein Halten mehr gibt. Dies sollte uns auch heutzutage zu Denken geben.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Graf_von_Preysing