„Euthanasie“-Aktion „T4“

Die streng geheime „Euthanasie“-„Aktion T4“  ist nach der organisatorischen Zentrale benannt, die in der Tiergartenstrasse 4 (=T4) in Berlin angesiedelt war.

 

Am 1. September 1939 eröffnete Adolf Hitler den Kampf nach außen (Kriegsbeginn gegen Polen) und nach innen (gegen schädliche Elemente des „Volkskörpers“) durch Unterzeichnung des streng geheimen Gnadentod-Erlasses.

 

 

Anmerkung:

Der Erlass wurde im Oktober 1939 unterzeichnet und dann rückdatiert.

Er stellte keinerlei Rechtsgrundlage für die daraus abgeleiteten Tötungen dar; diese waren auch nach RStGB (ReichsStrafGesetzBuch) eindeutig Mord.

 

Hiermit ermächtigt Hitler seinen Leibarzt Dr. Brandt und Philipp Bouhler:

 

„Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt

sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann.“

 

Diese relativ vorsichtige Formulierung Hitlers bedeutete das Todesurteil für über 200.000 unschuldige, völlig wehrlose Menschen.

 

 

Leiter der „Aktion T4“ war der Chef der Kanzlei des Führers, Philipp Bouhler.

http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Bouhler
Philipp Bouhler entzog sich der Verantwortung 1945 durch Selbstmord.

 

Medizinischer Leiter der „Euthanasie“ war Prof. Dr. Karl Brandt, der Begleitarzt von Adolf Hitler.

 

 

Karl Brandt wurde im sogenannten „Ärzteprozess“ in Nürnberg zum Tode durch den Strang verurteilt und hingerichtet.

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Brandt

 

Unterstützt wurde Bouhler unter anderem von den beiden Amtsleitern Victor Brack und Hans Hefelmann.

 

Brack wurde im Nürnberger „Ärzte-Prozess“ zum Tode durch den Strang verurteilt und 1948 hingerichtet.

http://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Brack

 

Hefelmann konnte nach dem Krieg untertauchen, wurde aber schließlich 1960 in Limburg angeklagt. Aufgrund eines ärztlichen Attestes wurde das Verfahren eingestellt. Hefelmann starb erst 1986 in München.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Hefelmann

 

Weitere Information zur „Aktion T4“ finden sie hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4

 

Organisation der Aktion „T4“

Die Kanzlei des Führers (KdF) und das Reichsministerium des Innern

gründeten vier Tarnorganisationen mit Dienstsitz in Berlin, Tiergartenstrasse 4:

 

Die Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten (RAG)

war zuständig für die Versendung von Meldebogen an Heil- und Pflegeanstalten, die für alle Patienten ausgefüllt wurden. Nach dem Wiedereingang der Bogen erfolgte die Weitersendung an Gutachterärzte, die an Hand des Meldebogens über Leben und Tod entschieden. Die als „lebensunwert“ bezeichneten und damit zum Tod verurteilten Patienten wurden an die Transportorganisation

 

Gemeinnützige (!) Krankentransport-GmbH (Gekrat)

gemeldet. Die Gekrat sorgte mit Bussen aus den Beständen der Reichspost oder per Bahn für den Transport in die „Euthanasie“-Anstalten.

 

Diese Anstalten bzw. Teile davon wurden angemietet und mit Personal versehen durch die
Gemeinnützige (!) Stiftung für Anstaltspflege (Stiftung).

 

Zuletzt gegründet wurde die

Zentralverrechungsstelle Heil- und Pflegeanstalten (ZVSt),

zuständig für die Abwicklung aller finanziellen Fragen, einschließlich der Selbstfinanzierung der NS-“Euthanasie“ durch teilfingierte Abrechnungen gegenüber den Kostenträgern für die Aufenthalte in Heil- und Pflegeanstalten.

 

aus: Zwangssterilisation, „Euthanasie“ und „Sonderbehandlung 14 f 13“ unter dem NS-Regime - Materialsammlung -, Gedenkstätte Bernburg

 

Im Sommer 1940 erging ein Erlass des Reichsministers des Innern über die "planmässige Erfassung von Anstaltsinsassen". Es wurden alle Heil- und Pflegeanstalten Deutschlands verpflichtet, für ihre Anstaltsinsassen einen formularmässigen Meldebogen nachstehenden Musters auszufüllen:

 

Meldebogen 1                                                                         Ist mit Schreibmaschine auszufüllen!

 

Lfd.Nr. .....

 

Name der Anstalt: .................................................

in: ...........................................................................

Vor- und Zuname des Patienten: ................................ geborene ........................

Geburtsdatum: ........... Ort: ........... Kreis: .............

Letzter Wohnort: .......................... Kreis: .............

ledig, verh., verw. od. gesch: ........ Konf.: ............ Rasse a: ...........

                                                               Staatsangehörigkeit: ...........

Anschrift der nächsten Angehörigen: ..............................................

Regelmässig Besuch und von wem (Anschrift): .............................

Kostenträger: ................. Seit wann in der dortigen Anstalt: ..........

In anderen Anstalten gewesen, wo und wie lange: ...........................

Seit wann krank:............... Woher und wann eingeliefert: ...............

Zwillinge: ja - nein - ............ Geisteskranke Blutsverwandte: ........

Diagnose: ............................................................................................

Hauptsymptome: ................................................................................

Vorwiegend bettlägerig? ja - nein ..... Sehr unruhig? ja -nein .........

                                                          In festem Haus? ja - nein .........

Körperliches unheilbares Leiden? ja - nein .......

Kriegsbeschädigung? ja - nein .......

Bei Schizophrenie: Frischfall ............. Endzustand .......... gut remittierend ..........

Bei Schwachsinn: debil: ..... imbezill: ..... Idiot: .......

Bei Epilepsie: psychisch verändert ..............

                         durchschnittliche Häufigkeit der Anfälle: .....

Bei senilen Erkrankungen: stärker verwirrt ........ unsauber .......

Therapie (Insulin, Cardiazol, Malaria, Salvarsan usw.): ................

                                                                      Dauerfolge: ja - nein .....

Eingewiesen auf Grund §51, §42b StGB usw. ................ durch .............................

Delikt:.................... Frühere Straftaten: ............................

Art der Beschäftigung:(Genaueste Bezeichnung der Arbeit und der Arbeitsleistung, z.B. Feldarbeit, leistet nicht viel. - Schlosserei, guter Facharbeiter. - Keine unbestimmten Angaben, wie Hausarbeit, sondern eindeutige: Zimmerreinigung usw. Auch immer angeben, ob dauernd, häufig oder nur zeitweise beschäftigt.) ....................

Ist mit Entlassung demnächst zu rechnen: ...............................

Bemerkungen: ............................................................................

                                                                                                      ................... Ort, Datum ............

Dieser Raum ist freizulassen.

 

.................................

..................................

..................................                                                            ..........................................................................

..................................                                   (Unterschrift des ärztl. Leiters oder eines Vertreters)

 

a) Deutschen oder artverwandten Blutes (deutschblütig), Jude, jüdischer Mischling I. oder II. Grades, Neger, (Mischling), Zigeuner, (Mischling) usw.

 

 Die Meldebögen wurden dann von der T4-Dienststelle in Berlin vorsortiert und an die sogenannten „T4-Gutachter“ weitergeleitet. Wie schon bei der Kinder-„Euthanasie“ entschieden diese „Ärzte“ innerhalb weniger Momente über das Leben bzw. den Tod von über 70.000 Menschen - ohne sie jemals in Augenschein zu nehmen, rein nach Aktenlage,

indem sie ein rotes „+“ oder ein blaues „-“ in das Kästchen am linken unteren Rand eintrugen.

 

- bedeutete Leben

+ bedeutete Tod

Hinweis: Allein schon die Verwendung eines „+“ für „positiv“ als Kennzeichen für „lebensunwert“ und damit zur Tötung freigegeben ist symptomatisch für die Denkweise der Täter.

 

Die drei „Ober-Gutachter“ der Aktion „T4“ waren:

 

Dr. Herbert Linden, der bereits frühzeitig 1939 an den Planungen zur Kinder-„Euthanasie“ beteiligt war. Er beging am 27. April 1945 in Berlin Selbstmord.

http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Linden

 

Prof. Hermann Paul Nitsche

Er entwickelte das sogenannte „Luminal-Schema“, das bei den Morden eine natürliche Todesursache vortäuschte.

Nitsche wurde am 25. März 1948 durch das Fallbeil hingerichtet.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Paul_Nitsche

 

Prof. Dr. Werner Heyde

Heyde konnte nach dem Krieg 8 Jahre (!) unter dem Decknamen Dr. Fritz Sawade untertauchen, gedeckt von zahlreichen Mitwissern.

Nachdem er schließlich gefasst und angeklagt wurde, beging er am 13. Februar 1964 Selbstmord.

http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Heyde

 

Die weiteren „Gutachter“, die teilweise im Akkord ihre „Urteile“ fällten, finden Sie hier:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/T4-Gutachter