Dem Wasser im
Bründl sprachen die Menschen Heilkraft zu, schon seit damals als dort noch
Heilige Männer und Einsiedler hausten. Der Ortname Ernstbrunn (Brunnen des
Ernst) dürfte wohl auf die Bründlquelle zurückzuführen sein.
Nach einer anderen
Sage weist der Name darauf hin, daß sich hier in grauer Vorzeit ein Brunnen
befand, welcher der Göttin Era geweiht war. Zu diesem Brunnen pilgerten
Jahrhundertelang hilfsbedürftige Menschen, um in seinem heilkräftigen Wasser
Genesung zu finden. Einst wölbte sich über der Quelle eine große zweitürmige
Wallfahrtskirche. Jetzt steht bei dem Heilbrunnen eine liebliche Kapelle, den
Ruhebedürftigen und Kranken zu Rast und Erfrischung ladend.
Über eine Heilung
aus dem Jahr 1701 wird berichtet: Im Oktober befiel den Wundarzt
Johann Hartmann ein hitziges Nervenfieber, welches sich bald so
gefahrdrohend zeigte, daß man den schlimmsten Ausgang befürchtete. Selbst die
geschicktesten Ärzte gaben jede Hoffnung auf Genesung auf. Der Kranke, der nun
alle menschliche Hilfe vergeblich sah, nahm seine Zuflucht zu jenem Arzt, der
nicht allein das Leben geben, sondern der auch das verlorene wiedergeben kann.
Er erinnerte sich,
von Jugend an gehört zu haben, das Wasser des bekannten Brunnen habe vielen
geholfen. Deshalb faßte er neuen Mut, ließ gleich aus dem benannten Brunnen
Wasser holen und nachdem er es mit festem Vertrauen auf Gott und die Fürbitte
der Heiligsten Jungfau Maria getrunken, ging es ihm augenblicklich besser und
er gesundete bald darauf vollkommen. (Aus „Das Heil-Bründl zu Ernstbrunn seinen
Ernstbrunnern gewidmet“ von F. Zenner.)
Aus Dankbarkeit
ließ nun der „Chyrurg“ Johann Hartmann eine gemauerte Säule setzen und den
Brunnen ausmauern. Im Jahr 1702 gab er den Auftrag, eine Holzkapelle zu bauen
und in derselben ein Mariahilf-Bildnis aufzustellen. Nach der wunderbaren
Heilung des Arztes aus Ernstbrunn bereitete sich die Verehrung des Marienbildes
in der Kapelle immer mehr aus.
Am 25.5.1710 war
die Grundsteinlegung zum Bau einer doppeltürmigen Kirche im Barockstil. Dechant
Johann Moritz Otzenatzekh, Dechant und Pfarrer in Stockerau hielt die
Zeremonie. Anwesend waren Johann Baptist Mayr Edler von Mayerfeldt,
als Stellvertreter des Grafen Sinzendorf, der bei Kaiser Karl VI. in
Spanien weilte; der Pfarrprovisor zu Ernstbrunn Matthäus Schicur, nebst
einigen anderen Priestern aus der Umgebung, Herr Michael Tichtel von Tutzingen,
gräflicher Sinzendorfscher Regent und eine große Volksmenge.
1715 fand die erste
Messe im Beisein von Graf Sigmund Rudolf von Sinzendorf, als dieser zum
zweitenmal von Spanien heimkehrte, statt. Als beliebter Wallfahrtsort lockte
die Bründlkirche zwischen dem Markt und der herrschaftlichen Schäferei viele
Pilger an.
Die Quelle, ein
gemauerter Brunnen, befand sich in der Kirche. Auf dem steinernen Kranz des
Brunnens stand die Jahreszahl 1710 und dazwischen die Buchstaben M B. Das
Wasser kam vom hinteren „Weingebirge“, lief unter der Erde in die Sakristei,
dann in die Kirche, wo das Becken mit zwei kupfernen Löffeln zum Trinken war.
Außerdem gab es gegen das Wäldchen hin noch zwei Badestuben - eine für Herren,
eine für Frauen, wo sich die Leute ihre Füße badeten - sowie Andenkenstände.
Die Zahl der „Danktafeln“ wuchs an, so daß ein kleines Nebengebäude errichtet
werden mußte, um die Tafeln aufzubewahren.
An der Bründlkirche
war rückwärts die Sakristei und die Wohnung der Einsiedler, die auch Schule
hielten; seitwärts stand das Haus für die Geistlichkeit und der Geistliche
hatte hinter der Kirche einen Obst- und Küchengarten.
1724 fand die
Einweihung des Gotteshauses durch den Bischof und Heiligen Römischen
Reichsfürsten zu Passau, Josef Dominik Graf von Lamberg als Ordinarius, im
Beisein von vielen tausenden Menschen statt. Von da an feierte Ernstbrunn ein
jährliches Kirchweihfest jeweils am nächst folgenden Sonntag. Das Heilbründl
war der geistlichen Gewalt nach dem Bistum Passau unterworfen, gehörte aber in
weltlichen Belangen zur Herrschaft Ernstbrunn.
Die Kirche, ein
hoher Bau über einem kreuzförmigen Grundriß, mit einer Zweiturmfassade,
enthielt vier Altäre. Der Hochaltar trug das Mariahilfbild aus der alten
Holzkapelle unter einem goldbestickten Baldachin in einem reichverzierten
Rokokorahmen. 1760 vermerkte der Pfarradministrator 33 Prozessionen.
Ferdinand Unterweger,
ein Pfarradministrator, war ein großer Förderer der Bründl-Kirche. Er gab 1751
ein Büchlein über 177 wunderbare Heilungen heraus und stiftete selbst ein
Benefizium von fünftausend Gulden, damit immer ein Geistlicher und zwei
Eremiten, welche Mesnerdienste versahen, im Bründl zur Verfügung standen. Zum
Fünfzig-Jahr-Jubiläum im Jahr 1774 zählte er in den ersten zwei Wochen des Monats
August an die fünfzigtausend Kommunikanten.
Franz Ludwig,
ein anderer Pfarradministrator weiß zu berichten:
„1715 als dero
hochgräfliche Gnaden Herr Sigmund Rudolf Sinzendorf von Spanien zurückgekehrt
und der Andrang der Leuthe wegen des wunderthätigen Wassers sich gemehret, so
entschloß sich derselbe, diese Kirche zu vervollkommnen und schon am 26.
Oktober 1715 wurde die erste Messe gelesen und 1724 vollkommen ausgebauet. Am
Feste Maria-Schnee wurde die Kirche vom fürstlichen Bischof zu Passau am 5. August 1724
eingeweiht.“
1784 erfolgte durch
eine Verfügung Joseph II. die Sperrung aller Zweitkirchen, insoweit nicht
Herrschaftsinhaber oder Privatpersonen die Erhaltung auf sich nahmen. Die
Kirchen wurden ihrer Einrichtung beraubt, entweiht und Meistbietenden auf
Abbruch verkauft. Unschätzbare Kunstdenkmäler waren damals vernichtet oder
verschleudert worden. Den Erlös durch Verkauf der aufgelassenen Klöster und
Nebenkirchen legte der Kaiser im sogenannten Religionsfonds an.
Maria Bründl
war davon betroffen, die Kirche mußte geschlossen werden, verödete und war oft
Obdach der herumziehenden „Hafenbrüder“. 1822 ließ der Markt diese Kirchenruine
im Zuge einer Versteigerung abtragen.
Der
Pfarradministrator erhielt 1826 den Auftrag, das Marahilfbild „in Stille“ in
die Pfarrkirche zu überführen. Das Marienbild kam in die Ernstbrunner
Pfarrkirche und es wird erzählt, daß zwei Ochsen den Wagen mit der Muttergottes
nicht ziehen wollten, da sie einige Male am steilen Hausberg rasteten, woraus
die Leute schlossen, die Muttergottes wolle von der Bründlkirche nicht weg.
Aus den
Aufzeichnungen von Franz Ludwig entnehmen wir weiters:
„Da ich, Franz
Ludwig seit 15. Oktober 1816 allhie in der Seelsorge stehe, so kannte
ich noch das gantze Bründlgebäude in seinem gantzen Umfang. Die zwey Türme -
diese waren eine wahre Zierde der gantzen Umgebung - entdacht, inwendig von
allen kirchlichen Gegenständen entblößet, stand dieses schöne abgestiftete
Gebäude da, dessen Gemäuer noch Jahrhunderten getrotzt hätte. 1782-83
abgestiftet, aber erst 1823 von der Herrschaft an den Markt verkauft um
1 200 Gulden samt dem anstoßenden Garten“.
Der Markt verkaufte
es einem gewissen Schallgruber und einem gewissen Grünberger aus Ernstbrunn.
Diese ließen mühsam alle Materialien sammeln und zu ihrem Gebrauch verwerten.
Aus dem Material wurde das Haus Nummer 8 in der Grafengasse erbaut. Auch
die Stufen, die in das Haus führen, stammen von der Kirche.
Die Engelsfigur,
die viele Jahre im Vorgarten des Hauses Mechtler, Grafengasse Nummer 84
stand, war ebenfalls aus der ehemaligen Bründlkirche. Noch heute wird die
Weinpresse im Mechtler-Keller mit Steinen aus der einstigen Kirche abgedeckt.
„Daher beschlossen
die hiesigen Marktleute durch Sammlungen inner- und außerhalb des Marktes ein
Gebäude zu erbauen. Im Jahr 1832 wurde dann mit Eifer zu bauen begonnen. Da
aber die gesetzliche Erlaubnis eine Kapelle zu errichten, fehlte und in den
Vorstellungen der hiesigen Vorsteher ein Gehör nicht vorhanden war, so wurde
auf gemachte Anzeige der Bau rückgängig gemacht und durch das k.k. Kreisamt der
Herrschaft eingeschärft, den Bau zu unterlassen, was auch streng befolgt
wurde.“ (Franz Ludwig.)
1837 errichteten
Joseph Neubauer und dessen Ehegattin Josepha, bürgerliche Handelsleute und
Hausbesitzer im Markte Ernstbrunn, aus Eigenmitteln und mit Hilfe noch anderer
Beiträge, an gleicher Stelle wo früher der Hochaltar stand und der Ursprung der
Quelle war, doch eine Kapelle, die auch heute von vielen Menschen besucht wird.
Der steinerne Kranz des vorigen Bründls ist darüber angebracht.
Im halbrunden
Innern befindet sich eine Pietà über der Brunnenschale. Nach wiederholten
Bitten an das Consistorium erteilte dieses die Erlaubnis zur Aufstellung. Seit
17.5.1838 steht die Muttergottes mit dem toten Christus auf dem Schoß, ehemals Eigentum
von Frau Katharina Hellmer aus Ernstbrunn, in der Bründlkapelle. Die Kapelle
wird immer wieder restauriert.
Die Gemeinde
Ernstbrunn erklärte sich bereit, für die Erhaltung des Gebäudes zu sorgen. Sie
hinterlegte darüber beim Consistorium einen entsprechenden Revers. 1937 kamen
nach neuerlicher Renovierung, zur Hundertjahrfeier der Erbauung, eine große
Prozession und viele Besucher.
Das gemauerte
Bründl ohne steinernem Kranz ist jetzt außerhalb der Kapelle. Das noch immer
fließende Wasser kann zum Trinken und als Augenwasser verwendet werden. Die
Straße und der Platz vor der Kapelle erhielten in den letzten Jahren einen
Asphaltbelag. Ruhebänke sind vorhanden. Eine neue Siedlung entstand und durch
die Bergstraße ist das Bründl mit dem Ort heute wieder fester verbunden
|