Was ist ein Debattierclub?

Das Debattieren an Hochschulen hat eine lange Tradition: In Großbritannien beispielsweise wurde der erste Debattierclub bereits 1815 an der Universität von Cambridge gegründet. In den USA gehört das Debattieren zur Schulausbildung ebenso wie der Schulsport. Seit etlichen Jahren messen sich die Clubs in landesweiten und internationalen Turnieren in Rhetorik.

Seit einigen Jahren zeigt sich auch in Deutschland ein neuer Trend: Vorreiter waren einige Studenten an der Tübinger Universität, die 1991 die Tübinger Debatte gründeten. Seit dem sind jedes Jahr einige Clubs in ganz Deutschland dazugekommen. Im Dachverband des studentischen Debattierens VDCH e.V. sind mittlerweile fast 70 Clubs in den deutschsprachigen Länderun und Regionen Mitteleuropas zusammengeschlossen.

Die Grundidee des Debattierens

Gibt es einen guten Krieg? Müs­sen wir Kriegs­ver­bre­cher, auch wenn es (ehe­ma­li­ge) Staats­ober­häup­ter sind, aus­lie­fern? Sind wir ver­pflich­tet, in Bür­ger­kriegs­re­gio­nen mi­li­tä­risch zu in­ter­ve­nie­ren? Gibt es ein Recht auf Faul­heit? Soll­ten Al­lein­ste­hen­de ein Kenn­zei­chen tra­gen? Es gilt, Farbe zu be­ken­nen: eine Mei­nung zu bil­den. Und zu ver­tei­di­gen.

Aber wieso strei­ten? In einer de­mo­kra­ti­schen, plu­ra­lis­ti­schen Ge­sell­schaft sind Mei­nungs­bil­dung und Dis­kus­sio­nen we­sent­li­che Tä­tig­kei­ten des öf­fent­li­chen Le­bens. Es han­delt sich um ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­te Werte, die erst ein frei­heit­li­ches Ge­mein­we­sen ga­ran­tie­ren kön­nen. Auch in den Par­la­men­ten de­mo­kra­ti­scher Staa­ten gilt es, The­men um­fas­send zu er­ör­tern, um an­schlie­ßend eine sach­ge­rech­te Ent­schei­dungs­fin­dung zu er­mög­li­chen.

Wieso strei­ten üben? De­bat­tier­clubs de­bat­tie­ren nach prä­zi­sen Re­geln zu ak­tu­el­len, meist po­li­ti­schen The­men. Die fes­ten Re­de­zei­ten, das re­gu­lier­te Fra­ge­recht und die zu­ge­los­ten Po­si­tio­nen trai­nie­ren Rhe­to­rik, Sach­kom­pe­tenz und Team­work. Zu zweit oder zu dritt müs­sen kom­ple­xe Sach­ver­hal­te schnell durch­dacht, ge­glie­dert und an­ge­mes­sen prä­sen­tiert wer­den. Den Kon­tra­hen­ten ist zu­zu­hö­ren, ihre Ar­gu­men­te sind zu wi­der­le­gen und den geg­ne­ri­schen Red­nern sind mög­lichst tref­fen­de Zwi­schen­fra­gen zu stel­len. Rhe­to­rik und gute Ar­gu­men­ta­ti­on ent­schei­den über Sieg oder Nie­der­la­ge.

Pro und Con­tra kom­men ab­wech­selnd zu Wort, jede Rede ver­sucht die vor­an­ge­gan­ge­ne zu wi­der­le­gen. Eine Jury be­wer­tet die De­bat­te und hilft den Red­nern sich zu ver­bes­sern. Tur­nie­re sind die Hö­he­punk­te des De­bat­tie­rens. Sie bil­den Kno­ten im Netz­werk en­ga­gier­ter Stu­den­ten mit gutem All­ge­mein­wis­sen. Im Wett­be­werb mes­sen sich Mann­schaf­ten aus Deutsch­land und der gan­zen Welt. Viele Tur­nie­re, dar­un­ter ins­be­son­de­re Eu­ro­pa- und Welt­meis­ter­schaf­ten, för­dern den in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch und eng­li­sche Sprach­kennt­nis­se.

Der persönliche Gewinn

In Debattierclubs werden rhetorische Fähigkeiten weiterentwickelt, die deutsche Sprachkultur gepflegt, englische Sprachkenntnisse werden angewandt und verbessert. Dass vornehmlich an Universitäten gdebattiert wird, liegt vielleicht auch daran, dass im Berufsleben Kommunikation und die Fähigkeit, andere zu überzeugen, immer mehr an Bedeutung gewinnen - und dass auf der anderen Seite die Universität mit ihrem Frontalunterricht die Studenten zu wenig auf diese Anforderungen vorbereiten. Da ist Eigeninitiative gefragt.

Wer jedoch meint, dass es im Debattierclub immer ernst zugeht, liegt falsch. Der Debattierclub ist in erster Linie ein Ort zum Üben und Ausprobieren. Was die Themen angeht, sind der Phantasie fast keine Grenzen gesetzt. Es wird nicht nur das Reden geschult, sondern auch das Hinhören und Ausredenlassen.

Das Sprechtraining kann auch zur Persönlichkeitsentfaltung beitragen: Wer kennt nicht die Angst davor, vor einer Menschenmenge zu stehen und etwas Sinnvolles sagen zu müssen. Diese Angst wird im Debattierclub in einer lockeren Atmosphäre abgebaut. Und darüber hinaus: Immer wieder neue Themen neu zu durchdenken trainiert, Probleme schnell zu erfassen und Lösungsvorschläge zu ersinnen.

Bei nationalen und internationalen Turnieren lernt man Debattierer aus aller Welt kennen - und hat bei all den rhetorischen Auseinandersetzungen, aber auch bei Diskussionen nach den Debatten, beim Feierabendbier oder rauschenden Ballnächten mit vielen Menschen einfach Spaß. Den gibt's bei unseren Clubabenden natürlich auch - inklusiven gemeinsamen Feierabendbier nach den Debatten.