meine erste kurze magische Erzählung, mit tiefen-psychologischer Wegwanderung in die Sümpfe des Innern, in denen eine Quelle wartet, die jeden in einen Ozean hinfort schwemmen kann, in dem die Polaritäten des Lebens zu einem ewig Runden, eines ewig Ganzen sich formen. Immer schon träumte ich von diesem Weg, all meine Sehnsucht strebte nach diesem einen Weg, diesen Weg von dem ich wusste; dass er der einzig wahre sei. Doch schwer sind die Schritte in den tiefen Sümpfen des Innern! Umso mehr Kraft und Anstrengung ich in meine Beine legte, desto klebriger und unüberwindbar schienen mir diese Sümpfe, Sümpfe die aus vielen kleinen zu einem großen immer stärker verflochtenen Morast anwuchsen. So wünschte ich mir zu fliegen, so dass ich aus dieser starr gewordenen Sumpflandschaft mich erheben könne, um endlich dem Licht – diesem einen ersehnten Weg – näher zu kommen. Nun plante ich eine Täuschung, ich wollte den klebrigen Boden überlisten und schuf mir im Geiste einen großen Greifvogel, durch große Anstrengungen konstruierte ich ihn, um wie auf der Bühne durch einen unerwarteten Requisitenwechsel mir einen Vorteil herauszuschlagen. Als ich mit meinem Vogel in beträchtlicher Höhe war, spürte ich wie gierendes Wollen und selbstsüchtiges Werden mich Antrieb, und sah in Entfernung glänzend den Weg vor mir. Doch umso näher ich ihm kam, umso stärker ich danach verlangte, desto stärker wurde der wirbelnde Gegenwind. Aufbrausend flutete ein Orkan meine schwindelerregenden Lüfte, unlenkbar wurde mir der Greifvogel und niederschmetternd stürzte ich in eine noch tiefere Sumpflandschaft herab. Verzweifelt blickte ich um mich, noch undurchdringbarer war hier mein innerlicher Morast, Schichten über Schichten aus Sumpf und Lehm waren dort angehäuft. Dort waren Schichten von Sumpf aus dem ängstlich empfangenen Gegenwärtigen und dunkler Lehm aus schmerzhaft erfahrenen Vergangenen! So wurde mir bewusst, dass hier keine Rettung zu erwarten sei. Das war die Zeit meiner inneren Zerrissenheit und Unordnung. Ich vergaß diesen einen Weg, ich vergaß den Greifvogel und lernte mich an den Sumpf zu gewöhnen. Ich lernte die verschiedensten Schichten kennen, konnte Sie immer besser dem Ursprung zuzuordnen und lernte sogar langsam darin zu gehen. Aus dem zeitlosen Nichts heraus wurde mir bewusst, dass ich diesen einen Weg schon lange vergessen hatte – nichts mehr von dem glitzernden Schein blieb mir im Gedächtnis und die Sumpflandschaften sind mir vertraute Heimat geworden. Umso mehr mir diese Landschaft lieb wurde, desto weniger strebte ich nach Wege außerhalb meiner Welt.
Plötzlich erkenne ich dort diese Quelle, ich entdecke Sie während meinem Spaziergang, wie sie aus dem Nichts heraus sprudelt, aus der Stille, aus meinem behüteten, sanften Boden heraus. Sie sprudelt stärker und stärker und ich spüre wie lang vergessene Blockaden in mir aufbrechen und die Quelle zu einem Bächlein wird, und das Bächlein immer schneller an Fahrt aufnimmt. Ich erfreue mich an dem erfrischenden Bächlein, das Wasser kommt mir so rein und bekannt vor, ich empfange es wie einen Freund – wie einen lang vergessenen und wohl bekannten Freund-, immer mitreißender wird das Wasser, es bildet sich zu einem Strom und umfasst meine Gestalt, er reißt mich dahin über Felder und Städte hinweg, weit weg vom Leid und Lärm des Kontinentes. Um mich herum bleibt alles unberührt, ich sehe unter mir Städte und Menschen wie Sie unwissend ihrer Geschäftigkeit nachgehen, unberührt davon – dass ich wie eine Wolke über Sie hinwegfege-. Wie wenig Sie doch dem Himmel Beachtung schenken!, denke ich mir, und bin mir nicht mehr sicher ob ich noch von Wasser getragen werde. Immer weiter in ein großes Ganzes stoße ich vor, in einen lautlosen Ozean, mit unergründbaren Tiefen, fühle mich wie von schwebenden Raum umgeben. Durchflutet von einem magischen Licht einer glitzernden Sonne, werde ich immer weiter hinweggezogen, ein Gefühl von sagenhafter Freiheit füllt mich von Innen her aus. Ich bin umgeben von Nichts, von einem blauen – glitzernden Licht, aufgefangen von einer kleinen Quelle entsprungen aus einem liebgewonnenen Sumpf tief in meinem Innern, der Anwuchs und alle kleinen Wege – die mir einst groß und begehrenswert erschienen -, unter sich begrub. Rauschend gegen den Strom der Zeit, mit dem Strom der Zeit, zu dem Strom der Zeit werdend, immer ruhend – immer während, steht’s in Bewegung – steht’s Gegenwärtig, in dem Anfang und Ende, Werden und Sein in sich verwoben ein Rundes ergeben, von dem man dennoch steht’s die runde Form davor nie sah!
Jeremias J. 22.12.2011 Tags: Philosophie, Erzählung, Hörbuch, Jeremias J., CarpeDiemfreunde, Weisheit, Dichtung, Licht, |



