Sieben Fragen an den italienischen Premierminister, Herrn Silvio Berlusconi An den Premierminister der Italienischen Republik waren
zehn Fragen hinsichtlich seines Verhältnisses mit einer Minderjährigen
gerichtet, die mehrmals auch zu offiziellen Banketten eingeladen war. Bisher
lehnte dieser es ab, darauf zu antworten. Nun könnte man Herrn Silvio Berlusconi eine Art Rabatt einräumen, indem man
ihn bittet, lediglich sieben Fragen zu beantworten. Herr Berlusconi, würden Sie bitte öffentlich folgende Fragen beantworten? Vorbemerkung: Die Mailänder Bank Banca Rasini, in den 70er Jahren im Besitz von Carlo Rasini, wurde von Sindona und in zahlreichen öffentlichen Dokumenten von Richtern, die gegen die Mafia ermittelten, als die Bank angegeben, die von der Mafia vorwiegend zur Geldwäsche in Norditalien herangezogen wurde. Zu den Kunden dieser Bank zählten Pippo Calò, Totò Riina und Bernardo Provenzano, und zwar in den Jahren, in denen sie die „Kuppel“ der Mafia bildeten. In denselben Jahren arbeitete Herr Luigi
Berlusconi bei dieser Bank, anfangs als Angestellter, später als Zeichnungsberechtigter
und schließlich als Direktor. 1) 1970 erkennt der Bankprokurist Luigi
Berlusconi einen recht eigenartigen Vorgang an: Die Banca Rasini erwirbt einen
Anteil der Brittener Anstalt, einer Gesellschaft in Nassau, die in Verbindung
zur Cisalpina Overseas Nassau Bank steht und in deren Verwaltungsrat Personen
wie Roberto Calvi, Licio Gelli, Michele Sindona und Monsignor Paul Marcinkus
sitzen. War dieser Luigi Berlusconi, Zeichnungsberechtigter der Banca Rasini, Ihr
Vater? 2) In derselben Zeit, also den 70er Jahren,
ließ Herr Silvio Berlusconi bei der Banca Rasini dreiundzwanzig Holdinggesellschaften
als „Friseur- und Kosmetikläden“ registrieren. Sind Sie dieser Silvio Berlusconi? 3) Sie ließen bei der Banca Rasini dreiundzwanzig „Italienische Holdinggesellschaften”, die über einen langen Zeitraum das Kapital von Fininvest besaßen, und weitere 15 Holdings eintragen, die mit Tätigkeiten auf ausländischen Märkten betraut waren. Sind die dreiundzwanzig Friseur-Holdings, die die Steuerfahnder bei einer ersten Ermittlung nicht fanden, und die dreiundzwanzig italienischen Holdings ein und dasselbe? 4) 1979 legte der Polizeibeamte für die Steuerkontrolle Massimo Maria Berruti, der die Ermittlungen der Steuerfahndung hinsichtlich der dreiundzwanzig Holgings der Banca Rasini leitete und in der Folge einstellte, sein Amt bei der Steuerfahndung nieder. Ist dieser Herr Massimo Maria Berruti derselbe, der unmittelbar nach seiner Kündigung bei der Steuerfahndung von Fininvest eingestellt, später wegen Bestechung verurteilt und danach als Parlamentarier in den Reihen von Forza Italia gewählt worden war und mit den Beziehungen der vier Fininvest-Gesellschaften mit dem Londoner Anwalt David Mills beauftragt war, der kürzlich auf Anzeige der englischen Richter hin in Italien verurteilt wurde? 5) 1973 war der Vormund der damals
minderjährigen Erbin Anna Maria Casati Stampa mit dem Verkauf des Landguts der
Famiglie Casati in Arcore an Herrn Silvio Berlusconi betraut. Dieses Gut von
Familie Casati umfasste eine Million Quadratmeter, ein Gebäude
aus dem 18. Jahrhundert mit dazugehörendem Park, Villa San Martino mit einer Fläche
von 3500 m² und 147 Zimmern, eine Pinakothek mit Werken aus dem 15. und 16. Jahrhundert,
eine Bibliothek mit circa 3000 antiken Bänden, einen immens großen Park,
Stallungen und Schwimmbecken. Ein unschätzbarer Wert, der für eine Summe von
500 Millionen Lire (250.000 Euro) in Aktien von Gesellschaften veräußert wurde,
die zur damaligen Zeit nicht an der Börse notiert waren. Diese Aktien wurden
wenige Jahre später von Ihnen für 250 Millionen (125.000 Euro) zurückerworben. Der
Vormund der Erbin Casati Stampa war ein Rechtsanwalt namens Cesare Previti. Ist
dieser Anwalt derselbe, der in der Folge Ihr Fininvest-Anwalt, Senator von
Forza Italia und Verteidigungsminister war, der von den Gerichten wegen
Bestechung verurteilt, der bürgerlichen und politischen Rechte und öffentlichen
Ämter entmündigt wurde und mit dem Sie weiterhin Umgang pflegen? 6)
In Mailand wurde unter der Adresse Via Sant’Orsola 3 im Jahr 1978 mit der
Bezeichnung Par.Ma.Fid. eine Gesellschaft aus der Taufe gehoben. Ist die Par.Ma.Fid. dieselbe
Treuhand-Gesellschaft, die den Gesamtbesitz von Antonio Virgilio verwaltete,
dem Cosa Nostra-Finanzier und vom Clan um Giuseppe und Alfredo Bono, Salvatore
Enea, Gaetano Fidanzati, Gaetano Carollo, Carmelo Gaeta und anderen Mafiabossen
aus der Gegend um Corleone und anderswo beauftragten Kapitalwäscher. Diese
Personen agieren in Mailand und befassen sich weltweit mit Drogenhandel und Kidnapping. Herr
Berlusconi, nun werden Sie bedeutende Anteile von mehreren der oben genannten
zweiundzwanzig Holdings gerade der Par.Ma.Fid. überschreiben. Im Auftrag von
wem verwaltete die Par.Ma.Fid. diesen großen Anteil der Gruppe Fininvest und
warum beschlossen Sie, eben dieser Gesellschaft einen so beachtlichen Teil
Ihres Besitzes anzuvertrauen? 7) Herr Berlusconi, woher stammt das immense Kapital, das im Alter von nur siebenundzwanzig Jahren den Beginn Ihres Aufstiegs in der italienischen Finanzwelt kennzeichnete? Nun, Herr Berlusconi, alle etwaigen Vergehen, auf die sich die Fragen beziehen, sind inzwischen verjährt. Das Problem besteht aber darin, dass von der Mafia erhaltenen Begünstigungen niemals verjähren, und die Bürger Italiens und Europas wie auch die Regierungschefs der Länder, mit denen Sie sich treffen wollen, das Recht haben zu wissen, ob Sie nun erpressbar oder aber eine freie Person sind. P.S. Da Sie bereits von einem Gericht unwiderruflich für schuldig befunden wurden, einem Richter gegenüber falsche Erklärungen abgegeben zu haben, sollten Sie uns doch den Gefallen tun und uns auch die Beweise für das von Ihnen Gesagte liefern, da Ihre Antworten allein aus offensichtlichen Gründen nicht ausreichen.
Carlo Cosmelli http://sites.google.com/site/carlocosmelliwebsite/Home
The informations given in the seven questions have been extracted from the book “L’odore dei soldi” di Elio Veltri, Marco Travaglio (Editori Riuniti) 2001. They are therefore well-known to the press and the Italian members of the parliament. |