1648 endete mit dem Frieden von
Münster und Osnabrück der dreißigjährige Krieg. Man kann sich heute
kaum noch vorstellen, welchen Schrecken und Entbehrungen die
Zivilbevölkerung 30 Jahre lang ausgesetzt war. Die Nachricht vom
Friedensschluß wurde deshalb mit Jubel begrüßt.
Das Bergische Land hatte noch Glück gehabt, da es abseits der
Hauptkriegsschauplätze lag. Trotzdem bekamen auch Barmen und
Heckinghausen ihren Teil ab. Schon 1625 zerstörten die „Buschknebler",
eine Bande von Marodeuren, die erste Barmer Schule auf der Gemarke.
Diese Schule war durch die erste große gemeinnützige Bürgerinitiative
in Barmen in den Jahren 1579-1596 errichtet worden. Sie finanzierte
sich nur aus privaten Spenden, woran sich auch zahlreiche Heckinghauser
Bauern und Bleicher beteiligten, wie eine Spendenliste vom 9. August
1580 beweist. Lang ist die Liste der ungebetenen Besucher in dieser
Zeit: 1622 Spanische Truppen auf dem Weg in die Mark, 1627 wieder
Spanier, 1628 - 30 kaiserliche Truppen, 1634/35 Schweden, 1637 Bayern,
1639 kaiserliche Truppen, 1642 erneut die Kaiserlichen. 1649/50 kamen
letztmalig heimmarschierende schwedische Truppen durch Barmen.
Hinzu gesellten sich die Pest (1622, 1627, 1630, 1634 -37) und die rote
Ruhr (1636, 1639). Die größten Lasten brachten die Jahre 1634 und 1642.
1634 kamen die Schweden ins Wuppertal, plünderten Barmen zunächst und
bezogen dann Winterquartiere. 1642 fiel ein 2000 Mann starkes
kaiserliches Korps des Generals de Wert über Barmen her.
So schrecklich diese Ereignisse
waren, so hatte doch der Schwedeneinfall 1634 für die Heckinghauser
Geschichte entscheidende Bedeutung. Um die Einquartierungslasten
gleichmäßig zu verteilen, teilte der Barmer Hofesrichter Caspar Eßgen,
der auch in Heckinghausen begütert war, Barmen in 12 Rotten ein. Eine
davon war die Heckinghauser Rotte. An der Spitze der Rotten stand
jeweils ein
Rottmeister.
Bis zu diesem Zeitpunkt bezeichnete man mit
Heckinghausen ausschließlich ein kleines Dorf am Murmelbach in der Nähe
der Wupper, also im Bereich von der Spiekerstraße bis zur alten
Heckinghauser Brücke. Bockmühl, Norrenberg, Plückersburg, Auf 'm Blech
(Blech = Wiese, heute: Auf der Bleiche), Rosenau und Clef (im Bereich
der Krebsstraße) waren selbständige Höfe und Siedlungen, die mit
Hecckinghausen im Grunde nichts zu tun hatten.
Mit der Rottenbildung erhielt erstmalig ein
Gebiet die Bezeichnung Heckinghausen, das schon sehr dem heutigen
Stadtteil entsprach. Lediglich nach Süden hin erfolgte in unserem
Jahrhundert mit der Konradswüste noch eine nennenswerte Erweiterung,
während im Norden nach Bau der Eisenbahn etwa ab 1870 die Rosenau
abgetrennt wurde. Ohne den Schwedeneinfall und Richter Eßgens
Entscheidung wäre Heckinghausen nicht in der heutigen Form entstanden.
Zwar wurde noch lange zwischen dem Dorf Heckinghausen und der
Heckinghauser Rotte unterschieden. Im Laufe der Zeit verschwand diese
Unterscheidung aber allmählich, so daß schließlich das ganze Gebiet der
Rotte zu „Heckinghausen" wurde.
Ein Kuriosum bildete nur die Bockmühle. Obwohl
geographisch eindeutig zu Heckinghausen gehörend, war sie Teil der
Wülfinger Rotte (Wupperfeld und Rittershausen) und nach deren Teilung
der Rittershauser Rotte. Insoweit war die Bockmühle eine von
Heckinghausen „umzingelte" Insel. Eine engere Bindung an Rittershausen
konnte auf diese Weise nicht entstehen. Vielmehr mußte die Bockmühle
irgendwann zwangsläufig an Heckinghausen fallen, was aber erst 1834
geschah.
Über die Verhältnisse in der Heckinghauser Rotte
während des Dreißigjährigen Krieges wissen wir durch eine Reihe von
Urkunden aus Anfang der 1640er Jahre recht gut Bescheid. Aus dem
Indexverzeichnis über die Morgenzahl in Barmen von 1642 ergibt sich,
daß in Heckinghausen 20 Höfe und 2 kleinere Güter lagen. Hinzu kommen 3
große Höfe auf der Bockmühle. Eine Pferdeliste vom 14. Juli 1640
berichtet, daß es in ganz Barmen nur noch 17 Pferde gab, davon 4 in
Heckinghausen, nämlich je 1 auf der Bockmühle, auf dem Norrenberg, auf
der Gosenburg und eines im Dorf Heckinghausen auf dem Hof der Familie
Schwartz. Dieser Hof hatte die Besonderheit, mit einem Wehrturm
versehen zu sein. Er hieß deshalb auch „das Bergfriedt".
Aus den Jahren 1641 und 1643 sind außerdem einige
Steuerlisten erhalten, die genaue Auskunft über die Steuerkraft der
Heckinghauser geben. 1641 zahlten die Heckinghauser durchschnittlich 70
1/2 Reichstaler monatlich von ca. 1000 Reichstalern in ganz Barmen,
also rund 6,7 % hiervon. Dazu kamen die drei Bockmühlhöfe mit ca. 14
1/2
Reichstalern.
Aus dem Einwohnerverzeichnis von 1698
1643 waren die Abgaben geringer, um die 50
Reichstaler für die Heckinghauser Rotte und ca. 9 - 11 Reichstaler für
die Bockmühlhöfe. Hier wirkte noch die Plünderung durch die
Kaiserlichen im Vorjahr nach.
Das Amt des Rottmeisters erlangte allerdings
keine Bedeutung. Es sind kaum Namen und keinerlei Urkunden der
Rottmeister überliefert. Nur in der Steuerliste vom 3. Januar 1643 wird
die Heckinghauser Rotte als „Jürgen-Müllinghausen-Rotte" bezeichnet,
womit Jürgen Müllinghausen einer der wenigen bekannten Rottmeister ist.
1810 bekleidete ein Mitglied der Familie Wildförster dieses Amt.
Die Rotteneinteilung wurde genau 200 Jahre alt.
1834 trat an ihre Stelle die Einteilung nach Sektionen. Aus der
Heckinghauser Rotte wurde unter Einschluß der Bockmühle die Sektion D.
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Gerhard Dabringhausen
Quelle:
Jahrbuch: 98/99, Seiten: 77,79