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Tauchen unter wissenschaftlichen Aspekten
August 2002, 2003, 2004, 2005, 2006: Unterwasserausgrabung eines Siedlungsplatzes der Ertebölle-Kultur in Neustadt in Holstein
Dieser heute im 2-4m tiefen Hafeneinfahrt des Neustädter Hafens
gelegene Platz erwies sich seit seiner Entdeckung nach
Hafenvertiefungen im frühen 20. Jh. und dem Beginn der systematischen
wissenschaftlichen Erforschung anfangs des 21. Jahrhunderts als wahre
Fundgrube von wichtiger Bedeutung für die Aufarbeitung dieser
Steinzeitepoche. Nach der Wiederentdeckung durch den Marinetaucher
H. Kraus begann die Erforschung des ausgedehnten Platzes. Erst wurden
Oberflächenfunde (Steinbeile, Geweihteile) abgelesen, um anschließend
durch Suchschnitte im Sediment den Hauptbereich des vermuteten
Siedlungsplatzes zu finden. In den letzten Augustmonaten wurde durch
Taucher des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein mit
freundlicher Hilfe der Marine, der Stadt Neustadt und Sponsoren
(Reederei Deilmann, Fielmann,...) die systematische Ausgrabung
begonnen. Von Land aus wurden Wasserschläuche zu einem über der Grabung
verankerten Prahm verlegt, die mit 12 bar Druck mehrere „Injektoren“
betrieben. Über diese Geräte wurde per Unterdruck Sedimente und Funde
angesaugt und in einem Netz aufgefangen. Diese Beutel wurden an Land
gebracht und dort gewaschen und in Makroreste, Knochen, Flint, Keramik
und Artefakte sortiert. Die Fundschicht ist sehr reichhaltig und
konserviert selbst fragile Stücke aus Holz.
Zu den wichtigsten Funden gehören das Stück eines verzierten Kanus,
mehrere Axtschäfte, Harpunenspitzen aus Geweih, Beile und Äxte aus weit
entfernten Regionen, verzierte Holzstücke und Textilfunde.
Zahlreiche Berichte in den Printmedien (u.a. National Geographic
11/03), Hörfunkberichte (NDR), Fernsehteams (NDR, 3Sat,...) und
Besucher hielten Einblick in die Arbeit.
Leitung: Dr. S. Hartz
siehe auch: Tauchen in Neustadt
Juli: Forschungstaucherausbildungen an der Universität Kiel.
November
2005: Demonstration von Tauchprozeduren und Tauchgerät der Kieler
Forschungstauchgruppe im Schwimmbecken der Hanseboot in Hamburg für den
NDR.
Leitung: H. Kraus
November 2003: Probenentnahme und Seegraszählung in der Kieler Förde vor Falkenstein.
Ein Fangkäfig wurde über Bord geworfen und mittels eines Schwimmkörpers
über der zu untersuchenden Stelle positioniert. Danach wird per Seil
ein Schäkel gelöst, der Käfig sinkt auf den Boden und ein Rollgitter
wird schnell an der Unterseite vorgeschoben, das den Käfig
verschliesst. Danach wird er an Bord gezogen und das darin gefangene
Getier untersucht.
Leitung: Dipl.-Biologe I. Bobsien
Januar
2003: Probeentnahme und Untersuchung mehrerer Schiffswracks vor der
Küste Poels für das Archäologische Landesamt Mecklenburg-Vorpommern.
Für den Schutz der Koggenwracks vor schädlichen Umwelteinflüssen und
Schädlingen wie dem Schiffsbohrwurm (terredo navalis) wurden Holzproben
in etwa 7m Tiefe genommen und Datenlogger, die Temperatur und
Salzgehalt des Wassers messen, in der Nähe des Wracks aufgestellt.
Leitung: Dipl.-Museologe Th. Förster
Juni
2003: Probeentnahme an einem mesolitischen submarinen Wald vor dem
Kembser Strand in 8m-10m Tiefe. Gleichzeitig wurde für den NDR eine
Hörfunkreportage aufgenommen.
Leitung: Dr. S. Hartz
September
2003: Ausgrabung eines frühmittelalterlichen Schiffswracks vor der
Möweninsel in der Schlei. Es wurden Reste der Planken und der y-förmige
Kiel gefunden, der Traditionen der nordischen Bauweise gekoppelt mit
Elementen des Mittelalters vorwies. Die Funde wurden nach Schloss
Gottorf zur Konservierung gebracht.
"Homepage des Archäologischen Landesamtes S-H zum Möweninselwrack"
Leitung: Dipl.-Prähistoriker M. Belasus
Januar
2004: Suche nach überlieferter Fundstelle neolithischer
„Kopfbestattungen“ vor der Westküste Fehmarns im strandnahen
Flachwasserbereich.
Leitung: Dr. S. Hartz
März
2004: Einlagerung von Holzfunden für das AL M-V im Groß Radener See.
Die Reste einer Kemenate (hölzerne Burgteile) und die Wrackteile eines
in der Ostsee gefundenen Schiffes wurden im Flachwasserbereich des Sees
eingelagert, bis Möglichkeiten einer Konservierung gefunden sind.
Leitung: H. Pohl M.A.
Februar
2005: Betauchung des Großen und Kleinen Plöner Sees auf der Suche nach
möglichen Fundstellen für ein kommendes Binnenseeprojekt. Hierbei
wurden mehrere Pfahlreihenfunde, Knochen-, Keramik- und Waffenfunde
quer durch die Jahrtausende gemacht.
Leitung: Dr. R. Bleile
Juli 2005: Einrichtung des Unterwasserpumpensystems und Sondagebohrungen für die Augustgrabungskampagne in Neustadt.
Dezember
2005: Untersuchung eines unbekannten Wracks nahe Heidkate. Vom Wrack
wurden mehrere Holzteile gefunden, sowie einige Metallteile zur näheren
Untersuchung abgeborgen.
Leitung: Dr. H.J. Kühn
Videos:
September 2005 / Juni 2006
Untersuchung des Nordteils des Windebyer Noors bei Eckernförde. Es
sollte herausgefunden werden, ob im nördlichen Abschnitt eine
wikingerzeitliche Hafenstation oder eine Siedlung existierte. Der
östliche Teil des Danewerks, der Osterwall, führt in noch sichtbaren
Spuren in Richtung Noor, wo auch eine Steinansammlung unter Wasser
verborgen war. Diese könnte auf einen gemauerten steinernen
Wallabschluss hindeuten. Die Untersuchung im Bereich bis zu 5m wurde
rein haptisch durchgeführt, systematisch geführt an GPS-eingemessenen
Schnüren. Es wurden einige verdächtige Holzartefakte geborgen.
2006 wurden die beobachteten Anomalien durch Sidescansonarfahrten als natürliche geologische Erscheinungen entlarvt.
Literatur: Starigard, Jahresbericht des Fördervereins des Instituts für
Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Band 6
/ 2005. S. 117-123.
"Homepage des Archäologischen Landesamtes S-H zum Windebyer Noor"
Leitung: Dr. W. Kramer
September 2005
AMLA-Untersuchung einiger Torfabbruchkanten vor Kiel-Bülk mit
Berufstaucher Rolf Lorenz, der uns freundlicherweise einige
interessante Positionen verriet und anschließend mit Mitgliedern der
AMLA anfuhr.
Leitung F. Huber M.A.
April 2006: Abbau des Unterwasserpumpensystems zu Überholungsarbeiten
Juli
2006: Voruntersuchung eines submarinen mesolithischen Fundplatzes vor
Kalifornien. Ein Taucher hatte hier bei Tauchgängen im 4m-Bereich
Knochen, Geweih und Flintsteinartefakte gefunden. Es wurden Bohrungen
durchgeführt, um den Untergrund zu bestimmen. Desweiteren wurden
festverwurzelte, versunkene Bäume gefunden.
Leitung: Dr. S. Hartz
November
2006: Zwischen den Werften Gebr. Friedrich und Lindenau in
Kiel-Friedrichsort liegt das Wrack der "Jaan" im Flachwasserbereich.
Dieser hölzerne Viermastschoner wurde 1920 als "James C. Hamlen" in
Portland (Maine, USA) gebaut. In den 1930er Jahren fuhr sie unter dem
Namen "Jaan" für einen estnischen Reeder. Das Schiff wurde im 2ten
Weltkrieg in Kopenhagen erbeutet und nach Kiel geschleppt, wo es 1945
sank. Nach dem Krieg wurde das Schiff durch die Bevölkerung zu
Feuerholz verarbeitet. Durch eine geplante Erweiterung des
Werftgeländes ist das Wrack gefährdet und die Reste sollen
weggeschleppt werden. Ziel dieser AMLA-Aktion war die Fotodokumentation
des Wracks vor einer möglichen Zerstörung.
Literatur: Starigard, Jahresbericht des Fördervereins des Instituts für
Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Band 7
/ 2006. S. 139-141.
AMLA-Bericht über das "Jaan"-Wrack
Leitung: F. Feulner M.A.
Januar 2007
Überprüfung einer Fundmeldung im Fluß Schwinge bei Stade. Beim
Schwimmunterricht wurde vor 35 Jahren eine Holzstruktur im kleinen Fluß
gefunden, die sich leider tatsächlich nur als alter Baumstamm
herausstellte. Eine weitere Untersuchung weiter flussaufwärts an der
sog. Schwedenschanze, einer alten sächsichen Befestigungsanlage aus dem
7. Jh. n. Chr. erbrachte mehrere Spaltbohlen, die möglicherweise nur
Kuhzäune sind. Spaß hat es aber trotzdem gemacht.
Leitung Dr. S. Kleingärtner
Zeitungsbericht über die Untersuchung
Bericht in der Stader Regionalpresse, 10. Februar 2007
März 2007
Taucharchäologische Untersuchung und Vermessung einer wikingerzeitlichen Brücke über die Peene.
Etwa 1 km südlich der Ortschaft Menzlin und 5km westlich der Hansestadt
Anklam (Kreis Ostvorpommern) lag am nördlichen Ufer der Peene auf einer
Sandkuppe ein wikingerzeitlicher Handelsplatz aus dem 8./9.
nachchristlichen Jahrhundert. Eine bereits in den 1960er Jahren
ausgegrabene Siedlung erstreckte sich über eine Fläche von 18 ha.
östlich des Siedlungsplatzes befindet sich eine mit Kiefern bewachsene
Düne, die den Bewohnern als Friedhof diente. In diesem Wald sind heute
noch die bootsförmigen Steinsetzunen der Grabanlagen erhalten. Dem
Grabbeigabenspektrum der Brandbestattungen zufolge handelt es sich
hierbei vermutlich um Frauengräber.
Ziel der Tauchaktion war die Beprobung und Vermessung der Überreste der
zur Siedlung gehörigen Holzbrücke, die über die Peene führte. Die
Brückeunterkonstruktion ist in ihrem Nord- und Südteil auf einer Länge
von je ca. 3x6m erhalten, der Mittelteil fehlt üer eine weite Strecke
vollständig, da die Peene für den Schiffsverkehr auf eine Tiefe von 6m
ausgebaggert wurde.
Gefunden und vermessen wurden etwa 90 beindicke Pfähle aus schwerem
Eichenholz, die vermutlich in mehreren Jochen die Brückentrasse trugen.
Zur Vermessung und Bestimmung wurden die einzelnen Pfahlreste mit
Stangen markkiert und mit Hilfe von Bändern verbunden, danach erfolgte
die individuelle Durchnummerierung und Einmessung mittels
Laser-Tachymeter und Reflektorstange. Lage, Form und Durchmesser der
einzelnen Stämme wurden unter Wasser festgehalten. Ein Teil der
Eichenhölzer wurde abgesägt und zur dendrochronologischen Bestimmung
ans mecklenburg-vorpommersche Landesamt für Bodendenkmalpflege
weitergeleitet.
Ansonsten bot das Peenetal auch superseltenes Getier: Adler, Störche,
Silberreiher, Flusskrebse, Biber, Minke, Eisvögel usw. Einfach auch so
eine Reise wert...
Leitung Dr. S. Kleingärtner
April 2007
Taucharchäologische Prospektion in Mohelnice, Tschechische Republik.
Östlich der Gemeinde Mohelnice (ehem. Müglitz) in Mähren befinden sich
seit den 1950er Jahren drei Seen, die durch den Kiesabbau einer
örtlichen Firma entstanden sind. Bei der Sandgewinnung wurden in den
Seen und an den Uferrandgebieten hölzerne Funde und Befunde beobachtet.
Gefunden wurden mittelalterliche und neuzeitliche Pfahlsetzungen, die
vermutlich Teile von einstigen Brücken über ein Niederungsgebiet waren.
In Zusammenarbeit mit Dr. Jaroslav Peka vom Archäologischen Zentrum
Olomouc, Prof. Dr. Oliver Nelle vom Ökologiezentrum der Uni Kiel, dem
Landesamt für Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern und der
Römisch-Germanischen Kommission wurden die Seeufer systematisch
betaucht, um mögliche tieferliegende Funde zu lokalisieren.
Das Ufer an den Baggerseen fällt häufig steil bis in eine Tiefe von
über 40m ab, so daß nur sehr wenig neue Funde beobachtet werden
konnten. Geomagnetische Prospektionsmethoden lassen an einigen Stellen
jedoch auf mehr Befunde hoffen.
Besonders überzeugt hat jedoch das überraschend gute Wetter mit 28°,
die reichhaltige tschechische Küche und die netten Gastgeber, die diese
Expedition begleiteten und zu einem regen Erfahrungsaustausch
beitrugen.
Leitung Dr. S. Kleingärtner
Videos:
April 2007
Untersuchung des wikingerzeitlichen Sperrwerks in der Schlei.
Östlich von Reesholm in der Schlei wurde im Auftrag des Archäologischen
Landesamts für Bodendenkmalpflege Schleswig-Holstein (ALSH) die
submarinen Reste eines wikingerzeitlichen Sperrwerks betaucht. Ziel der
Aktion war die Begutachtung des Zustandes, insbesondere eines möglichen
Befalls mit dem Schiffsbohrwurm (teredo navalis), der mit seinem
Appetit auf selbst harte Holzarten großen Schaden an marinen Bauwerken
und Wracks anrichten kann.
Leitung Dr. W. Kramer
Mai 2007
Wrackprospektion 2007 in der südwestlichen Ostsee
Bei dieser mehrtägigen "AMLA-Jubiläumsausfahrt" wurden von
Forschungstauchern der Arbeitsgruppe für maritime und limnische
Archäologie in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt S-H und
dem Archäologischen Landesmuseum S-H eine Vielzahl an bisher als
"unbekannte Annomalien" eingestufte Positionen in der Kieler Bucht,
Kieler Förde und Eckernförder Bucht angelaufen. Als Basisschiff diente
uns der 30m Forschungskutter Littorina, von dem auch die Tauchgänge in
Tiefen bis zu 27m durchgeführt wurden. Zur Wracksuche wurde ein
DGPS-gesteuertes Sidescan-Sonar Typ CMax2 eingesetzt, welches bei der
Suche nach den korrekten Positionen hervorragende Dienste leiste.
Gesponsort wurde die AMLA vom Tauchequipmenthersteller OMS.
Während der Ausfahrt wurden u.a. zahlreiche Netzhakerpositionen von
Fischern überprüft und einige neue Wracks entdeckt und näher für die
archäologische Landesaufnahme klassifiziert.
Leitung Dr. S. Hartz
Mai 2007
Submarine Untersuchung in der Oste bei Brogbergen
Über die Oste führt bei Brobergen eine kleine landwirtschaftliche
Fährstelle, die bis zum 30jährigen Krieg von einer Burg, Kapelle und
möglicherweise einer Brücke bzw Anlegestelle flankiert wurde. Hier
wurde vom lokalen Fähr- und Geschichtsverein eine Tauchuntersuchung in
Auftrag gegeben, bei der die Oste bis in etwa 3,5m Tiefe im Bereich der
ehemaligen Burg abgesucht wurde. Null Sicht und mit den Gezeiten
wechselnde Fließrichtungen waren natürlich nicht sehr hilfreich bei der
Suche.
Immerhin haben wir (mal wieder) einen Haufen Müll aus dem Fluss
befördert. Die interessantesten Stücke waren ein Ösenbalken, eine
antike Colaflasche und ein paar olle Knochen, vermutlich vom Schwein.
Leitung Dr. S. Kleingärtner
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